ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Gesundheitsreform: Lastenverschiebungen

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Gesundheitsreform: Lastenverschiebungen

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1897 / B-1573 / C-1481

Clade, Harald

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LNSLNS Der Beitragssatz der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) soll mit der anstehenden „Gesundheitsreform“ von heute durchschnittlich 14,4 auf „unter 13 Prozent“ gedrückt werden. Zudem sollen die Finanzierungslasten noch mehr den Kranken und gesetzlich Versicherten aufgelastet werden. Einschließlich der heute schon spürbaren Zuzahlungen und Direktbeteiligungen, die zusammen mit dem kollektiv aufzubringenden Kran­ken­ver­siche­rungsbeitrag bereits mehr als 60 Prozent des Gesamt-GKV-Finanzierungsvolumens und der Zubußen betragen, würde der Gesamtfinanzierungsanteil zulasten der Kranken und Versicherten auf nahezu 68 Prozent erhöht werden – dies trotz der einkommensabhängigen jährlichen Höchstbelastungs- und Überforderungsgrenzen für sozial Schwache, chronisch Kranke und Kinderreiche. Bereits bei den beiden vorangegangenen Gesundheitsreformen unter der Ägide der damaligen Ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer (CSU) und von Andrea Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) wurde darüber lamentiert, dass die wiederholt erhöhten Zuzahlungen insbesondere bei Arzneimittelverordnungen die chronisch Kranken überforderten.
Andererseits sind die Sparmechanismen der derzeit diskutierten Reform ganz darauf ausgerichtet, die Arbeitgeber teilweise zu entlasten, die Arbeitnehmer, Versicherten und Kranken jedoch nicht. Bei einer Reprivatisierung des Krankengeldrisikos würden die Arbeitgeber um 0,35 Prozentpunkte entlastet, die Versicherten entsprechend belastet. Schon kritisierten Sozial- und Gesundheitspolitiker der Union dies als „Abkassier-Modell pur“ – obwohl CDU/CSU und vor allem die FDP in all ihren Reformvorschlägen auf „pekuniäre Therapie“, mehr Selbstverantwortung (sprich: Selbstbeteiligung) setzen.
Ob nun der Zahnersatz aus dem Pflichtleistungskatalog der Krankenkassen verbannt werden soll (wie die CDU anregt) oder aber künftig das Krankengeld allein aus Versichertenbeiträgen bestritten werden soll – eine Zusatzbelastung der Versicherten bleibt, die Arbeitgeber würden durch die monistische Krankengeldfinanzierung um sieben Milliarden Euro pro Jahr entlastet. Dr. rer. pol. Harald Clade
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