ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Primärprävention: Vitamine werden überschätzt

AKTUELL: Akut

Primärprävention: Vitamine werden überschätzt

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1901

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine primär präventive Wirkung von Vitaminen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) und Krebs lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. Die „U.S. Preventive Services Task Force“ hält in ihrer aktuellen Empfehlung in den Annals of Internal Medicine (2003; 139:
51–55 und 56–70) einige Vitamine sogar für schädlich. Die Task Force ist eine unabhängige Gruppe von Forschern, die von der amerikanischen „Agency for Healthcare Research and Quality“ beauftragt wurde, die wissenschaftlichen Studien zur primär präventiven Wirkung von Vitaminen zu sichten und eine evidenzbasierte Empfehlung abzugeben. Die Gruppe um Cynthia Morris von der Universität von Portland in Oregon analysierte insgesamt zehn prospektive Kohortenstudien, zehn prospektive Interventionsstudien zur Primärprävention von CVD und zwölf prospektive Interventionsstudien zur Sekundärprävention von CVD. Außerdem wurden neun randomisierte kontrollierte Studien zur Krebsprävention ausgewertet.

Keine dieser Studien konnte die Gesundheitsforscher davon überzeugen, dass die Vitamine A, C oder E beziehungsweise Multivitaminpräparate mit Folsäure oder Kombinationen aus antioxidativen Vitaminen eine allgemeine vorbeugende Wirkung gegen CVD oder Krebs haben. Die Gruppe gibt deshalb eine „Grad-I-Empfehlung“ ab, wonach es keine Argumente für oder gegen den Einsatz von Vitaminen gibt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Vitamine für einige Menschen einen Stellenwert haben könnten. Dazu gehören etwa Schwangere oder ältere Menschen. Gegenstand der Untersuchung war jedoch eine allgemein präventive Wirkung bei gesunden asymptomatischen Menschen, die meinen, durch die morgendliche Vitaminpille etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun. Hierfür gebe es keine Hinweise.

Andererseits könnten Vitamine aber schädliche Nebenwirkungen haben. Riskant sei die Einnahme zu großer Mengen von Vitamin A, die zu einer Minderung der Knochenmineralisation führen können. Hohe Dosierungen könnten die Leber schädigen und gefährdeten bei Schwangeren die Gesundheit des Fetus. Wer Vitamine einnehme, solle unbedingt die geltenden Dosisempfehlungen beachten, heißt es. Für Beta-Caroten gibt die Task Force eine Negativempfehlung (Grad D) ab. Dieses Antioxidans schütze nicht vor CVD und Krebs. Bei schweren Rauchern könne es jedoch das Risiko einer tödlichen Lungenkrebserkrankung erhöhen. Rüdiger Meyer
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