ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Umfrage: Internet (noch nicht) für alle

POLITIK

Umfrage: Internet (noch nicht) für alle

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1907 / B-1581 / C-1489

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Zwar ist inzwischen die Hälfte der Deutschen online. Dennoch ist die digitale Spaltung noch nicht beseitigt.

Das Verhältnis von Onlinern und Offlinern in Deutschland hat sich innerhalb eines Jahres nahezu umgekehrt: Standen 2002 den 41,7 Prozent Onlinern immerhin noch 50,1 Prozent Offliner (= Nichtnutzer des Internets ohne Beschaffungsabsicht) gegenüber, surft 2003 bereits die Hälfte der Deutschen über 14 Jahre im Internet. Die Zahl der Internet-Nutzer ist um 5,4 Millionen auf 32,1 Millionen (50,1 Prozent) gestiegen. 7,2 Prozent der Bundesbürger planen außerdem, innerhalb der nächsten zwölf Monate das Internet zu nutzen. Nur 42,7 Prozent der Deutschen sind offline. Noch immer sind allerdings überwiegend sozial Schwächere, Personen mit niedrigerem Bildungsstand und ältere Menschen offline. Dies sind die Ergebnisse des „(N)Onliner Atlas 2003“, den TNS Emnid, Bielefeld (www.tns-emnid.com), und die Initiative D21 (www.initiatived21.de) kürzlich in Berlin vorgestellt haben. Mit mehr als
30 000 Interviews ist dies die größte Studie zur Nutzung des Internets, die auch regionale Unterschiede erfasst. Seit die Initiative D21 vor drei Jahren die Diskussion über die „digitale Spaltung in Deutschland“ angestoßen hat, ist auf Bundes- und Landesebene eine Vielzahl von Aktivitäten gestartet worden, wie zum Beispiel „Frauen ans Netz“, „Internet für alle“ und „Bildungschance Internet“.
Kein West-Ost-Gefälle mehr
Besonders stark haben die neuen Bundesländer bei der Internet-Nutzung aufgeholt. Hier stieg der Anteil der Internet-Nutzer von 37 (2002) auf 47 Prozent in 2003. Nur noch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehr Offliner als Onliner. Das West-Ost-Gefälle der Internet-Nutzung ist damit verschwunden. Einen unterdurchschnittlichen Onliner-Anteil weisen eher ländliche und/oder strukturschwache Regionen auf, wohingegen in Ballungszentren mehr Onliner zu finden sind. Dem entspricht, dass öffentliche – kommerzielle oder soziale – Einrichtungen, in denen das Internet genutzt werde kann, ebenfalls in urbanen Räumen eher anzutreffen sind als auf dem Land.
Onliner und Offliner unterscheiden sich immer noch deutlich voneinander. So liegt das Durchschnittsalter der Internet-Nutzer 2003 bei 37,7 Jahren, wohingegen der Altersdurchschnitt der Offliner bei 58,4 Jahren liegt. In der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren sind seit 2002 immerhin 1,8 Millionen neue Onliner, die so genannten Silver-Surfer, hinzugekommen. Allerdings ist die Hälfte der Offliner über 62 Jahre.
Je höher der Bildungsstatus, desto höher ist darüber hinaus der Onliner-Anteil. Unter den Personen mit Abitur, Hochschul- oder Fachhochschulreife sind immerhin 80 Prozent Onliner, bei Personen mit einfachem Bildungsabschluss (Hauptschule mit Lehre) liegt dieser Anteil nur bei rund 36 Prozent.
Auch der Abstand zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Internet-Nutzung hat sich wieder vergrößert, weil entgegen den Erwartungen innerhalb des letzten Jahres der Online-Anteil bei den Männern stärker als bei den Frauen gestiegen ist. Etwas mehr als die Hälfte der Frauen sind 2003 immer noch offline – bei den Männern ist es nur rund ein Drittel. In keinem Bundesland liegt der Onliner-Anteil der Frauen über 50 Prozent. Bei den Männern unterschreitet nur in Mecklenburg-Vorpommern der Anteil der Onliner die 50-Prozent-Marke. 2003 sind 80 Prozent der Männer zwischen 14 und 40 Jahren online, jedoch nur 68 Prozent der Frauen. Die Abstände vergrößern sich in den höheren Altersgruppen. Heike E. Krüger-Brand
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