ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Fachgesellschaften wollen Versorgungsforschung vorantreiben

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Fachgesellschaften wollen Versorgungsforschung vorantreiben

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1925 / B-1599 / C-1507

Gerst, Thomas

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LNSLNS Zusammenarbeit der klinischen und methodischen Fachgesellschaften wird als besonders wichtig angesehen.

Eine weit über das bisherige Niveau hinausgehende finanzielle Förderung der Versorgungsforschung fordern die in der Ständigen Kongresskommission „Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF)“ zusammengeschlossenen 24 medizinischen Fachgesellschaften. Der Nutzen einer solchen Forschungsförderung bestehe darin, dass man Versorgungsprobleme in der Medizin und deren Ursachen besser versteht und dass darauf aufbauend zielgerichtet systematische Problemlösungen erarbeitet werden können. Zu wenig sei darüber bekannt, was bei der Umsetzung von medizinischen Konzepten in die Alltagsversorgung geschieht, welche Wirksamkeit neue Gesundheitstechnologien in der Alltagspraxis entfalten.
Prof. Dr. Holger Pfaff, Sprecher des Zentrums für Versorgungsforschung an der Universität zu Köln und mit der Koordination der Kongresskommission betraut, wies darauf hin, dass die derzeit für diese Forschung zur Verfügung stehenden Geldmittel – gemessen am zu erwartenden Nutzen – zu knapp bemessen seien. So konzentriere sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf die Förderung der medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagenforschung, auch von den Krankenkassen und vom Bundesministerium für Forschung und Bildung würden keine ausreichenden Mittel zur Verfügung gestellt. Die Pharmaindustrie sei bisher zurückhaltend, obwohl die zurzeit in der Diskussion stehende „vierte Hürde“ bei der Arzneimittelzulassung eine Art von Versorgungsforschung darstellt.
Das gemeinsame Vorgehen einer Vielzahl von klinischen und methodischen Fachgesellschaften in der Ständigen Kongresskommission DKVF zeigt, dass die Notwendigkeit erkannt wurde, konkrete Versorgungsprobleme – wie zum Beispiel in der Diabetiker-Versorgung – fachübergreifend anzugehen. Dergestalt wird Versorgungsforschung von den beteiligten Fachgesellschaften definiert als eine problemorientierte Forschung, welche die Kranken- und Gesundheitsversorgung und ihre Rahmenbedingungen
– beschreibt und analysiert,
– darauf aufbauend Versorgungskonzepte entwickelt,
– deren Umsetzung begleitend erforscht und
– unter Alltagsbedingungen evaluiert.
Memorandum geplant
Anlässlich des 2. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung, der vom 28. bis 30. September in Hamburg zum Thema „Psychosoziale Versorgung in der Medizin“ stattfinden wird, wollen die Fachgesellschaften ein Memorandum zur Versorgungsforschung vorlegen und damit auch einen Anstoß geben für konkrete Forschungsaktivitäten.
Dass der Gedanke der Versorgungsforschung bereits auf fruchtbaren Boden gefallen ist, wird in der Entschließung des 106. Deutschen Ärztetages zum Leitantrag des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer im Mai deutlich. Dort heißt es: „Unabdingbar ist der Aufbau einer soliden Versorgungsforschung im deutschen Gesundheitswesen, die auch den internationalen Vergleich einschließt, ebenso wie die Evaluation aller innovativen Maßnahmen zur Steuerung und Evaluierung. Die Ärzteschaft ist bereit, sich am Aufbau dieser Versorgungsforschung in Deutschland zu beteiligen.“ Thomas Gerst
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