ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Armenarzt und Pionier der Arbeiterbewegung

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Armenarzt und Pionier der Arbeiterbewegung

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1931

Schmidt, Klaus; Gottschalk, Andreas

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LNSLNS Biografie
Demokratischer Pionier
Klaus Schmidt: Andreas Gottschalk. Armenarzt und Pionier der Arbeiterbewegung. Jude und Protestant. Greven Verlag, Köln, 2002, 168 Seiten, 39 SW-Abbildungen, gebunden, 14,90 €
„Wie nah sind uns manche Tote!“ Unter dieser Überschrift fand im September 2002 in Köln eine Gedenkveranstaltung statt für Dr. Andreas Gottschalk (1815 bis 1849), Arzt in Köln, jüdischer Protestant aus dem Rheinland, Gründer und Präsident des „Kölner Arbeitervereins“ im Jahr 1848.
Nunmehr liegt eine Biografie über Gottschalk vor, eine herausragende Person in jener Zeit des 19. Jahrhunderts, als die Deutschen den ersten demokratischen Aufbruch probten. 1815 als Sohn eines Kölner Juden in Düsseldorf geboren, konvertierte er 1844 zum Protestantismus. Nach dem Medizinstudium in Bonn eröffnet Andreas Gottschalk 1842 in Köln eine ärztliche Praxis. Er ist befreundet mit Moses Hess, dem Ehepaar Mathilde und Fritz Anneke, hat Kontakt zu engagierten Ärzten und vielen Menschen, die im Rheinland versuchen, gegen ein ständestaatliches System Grundrechts- und Menschenrechtsforderungen durchzusetzen. Sein Engagement für die entstehende Bewegung, seine ungeschminkte Kritik an der politischen und militärischen Obrigkeit, an den Lebensverhältnissen der Armen – wie er sie tagtäglich in seiner Praxis wahrnimmt – bringen ihn 1848 für drei Monate ins Gefängnis.
Als im Frühjahr und Sommer 1849 die Aufstände in der Rheinprovinz und in Süddeutschland scheitern, widmet sich Andreas Gottschalk wieder verstärkt seiner ärztlichen Tätigkeit. Im Juli 1849 bricht in Köln die Cholera aus. Bis zum November 1849 gibt es in Köln 13 000 Todesopfer. Die Kölner Ärzte sind rund um die Uhr im Einsatz. Im September 1849 wird Andreas Gottschalk selbst Opfer der Epidemie. Wie angesehen dieser Arzt war, zeigen die mehr als 5 000 Trauernden auf dem Friedhof Melaten. Es ist das Verdienst von Klaus Schmidt, Theologe, Historiker und Publizist in Köln, an diesen Arzt zu erinnern.
Ralf Sartoris-Daubenbüchel
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