ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Neue Verfahren bleiben ungenannt

MEDIZIN: Diskussion

Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Neue Verfahren bleiben ungenannt

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1946

Peek, Alberto

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LNSLNS Nicht umsonst existiert die Forderung der European Society of Mastology bezüglich der Anwesenheit eines Facharztes für plastische Chirurgie an einem Brustzentrum. Der Artikel reduziert die Techniken der plastischen Rekonstruktion der Brust letztendlich auf die alten Verfahren der Implantatrekonstruktion, die Rekonstruktion mit Latissimus-dorsi-Lappen ohne oder kombiniert mit Implantaten und auf den TRAM-Lappen nur in seiner gestielten Form. Wenngleich bewährte Verfahren, so stellen diese nicht einmal die Hälfte der möglichen Rekonstruktionsverfahren dar und schon gar nicht die besseren, modernen mikrochirurgischen Verfahren mit Perforatorlappen (DIEP-Lappen, S-GAP-Lappen, Rubens-Lappen, Perforatorlappen des lateralen und medialen Oberschenkels).
Diese neuen Verfahren, für die eben doch ein intensives Training in der plastischen und Mikrochirurgie notwendig ist, sind im Fachgebiet der plastischen Chirurgie heute der Goldstandard für den reinen Eigengewebsaufbau und sollten zumindest den gestielten TRAM ersetzen, da sie nachweislich von einer niedrigeren Komplikationsrate bezüglich Nekrosen, Teilnekrosen, Hebedefektmorbidität und Bestrahlungsresistenz begleitet sind. Da an den meisten Kliniken, an denen Brustchirurgie betrieben wird, kein plastischer Chirurg tätig ist, sind wir in Deutschland in der traurigen Lage, den Patientinnen nicht die ihnen gebührende Wahl des Rekonstruktionsverfahrens nach objektiver Aufklärung anbieten zu können. Vielmehr werden die meisten Patientinnen vor die Wahl der ein oder zwei Verfahren gestellt, die gerade an der behandelnden Klinik beherrscht werden. Wenn die Forderung nach Qualität in der onkologischen Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms in Deutschland zurzeit groß geschrieben wird, so sollte gleiches für differenzierte Rekonstruktionsoptionen gelten. Die Bedeutung komplexer plastisch chirurgischer Rekonstruktionsverfahren wird ferner beim Lokalrezidiv besonders deutlich. Immerhin ist hiermit, wie beschrieben, bei 2 bis 9 Prozent aller betroffenen Frauen zu rechnen.
Die Entscheidung für ein Eigengewebespenderareal muss daher bei Risikopatientinnen auch mit Blick auf mögliche spätere Optionen zur Deckung von Thoraxwanddefekten getroffen werden. Standard, weil bei einem reduzierten Allgemeinzustand schonend und sicher, ist hierbei der Latissimus-dorsi-Lappen, sodass seine kritiklose Verwendung für onkoplastische Teilrekonstruktionen nach unbefriedigender brusterhaltender Chirurgie mit Argwohn betrachtet werden muss. Dem Anspruch nach multidisziplinärer Exzellenz eines Mammazentrums kann „die Kombination von Onkologe und Plastiker in der Person eines Gynäkologen“ nur schwer genügen.

Dr. med. Alberto Peek
Klinik für Brusterkrankungen
Behandlungszentrum Vogtareuth
Krankenhausstraße 20
83569 Vogtareuth
E-Mail: a.peek@bhz-vogtareuth.de

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