ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Ergänzungen aus chirurgischer Sicht

MEDIZIN: Diskussion

Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Ergänzungen aus chirurgischer Sicht

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1947

Gabka, Priv.- Christian J.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich möchte gerne dem gelungenen Übersichtsartikel, zu dem man den Autoren gratulieren kann, einige Punkte hinzufügen. Die Autoren definieren den Unterschied einer Mastektomie gegenüber einer „heute nicht mehr akzeptablen“ (warum?) subkutanen Mastektomie in der „Verdünnung des Hautmantels“. Der Begriff einer Verdünnung ist nicht bekannt (es ist wohl die Ausdünnung gemeint); abgesehen davon ist dies nicht korrekt.
Der Unterschied zwischen der Mastektomie – wobei es keinen Unterschied macht, ob diese als „Haut sparende Mastektomie“ (SSM) durchgeführt wird – und einer subkutanen Mastektomie, liegt in der Resektion oder dem Erhalt des Mamillen-Areola-Komplexes. Auch bei der subkutanen Mastektomie kann der Hautmantel soweit ausgedünnt werden, dass eine der normalen Mastektomie vergleichbare Radikalität erreicht werden kann. Die Diskussion über die Indikation zu einer subkutanen Mastektomie führt im Rahmen dieses Leserbriefs allerdings zu weit. Es sei darauf hingewiesen, dass die Autoren selbst in demselben Artikel auf die Mastektomie mit Mamillenerhalt hinweisen.
Die Definition „Haut sparende Mastektomie“ (SSM) ist nicht einheitlich geregelt. Manche Autoren definieren die Haut sparende Mastektomie als Mastektomie mit eher kleiner Hautinsel. In anderen Publikationen sind rein areoläre Schnittführungen mit tatsächlich komplettem Erhalt der Brusthaut gemeint. Letztlich wird nur dann ein Vorteil für die Patientin zu erreichen sein, wenn horizontal über die Brust ziehende Narben vermieden werden können.
Die von den Autoren berichtete durchschnittliche Operationszeit für Mastektomie und autologen Gewebeersatz von drei Stunden erscheint sehr optimistisch. Insbesondere bei Durchführung einer Eigengewebsrekonstruktion vom Unterbauch kann dies höchstens mit einem gestielten Bauchhautlappen erreicht werden. Die nun in der Literatur schon seit langem bekannte dadurch ausgelöste Schwächung der Bauchwand kann durch Einsatz feinerer mikrochirurgischer Techniken minimiert werden, sodass der Einsatz des gestielten Lappens eigentlich heutzutage nicht mehr durchgeführt werden sollte. Insbesondere gilt dies für doppelseitige Rekonstruktionen, bei denen durch bilaterale gestielte Bauchhautlappen eine so starke Schwächung der Bauchwand eintritt, dass dieses Verfahren in unserer Zeit nicht mehr indiziert ist.
Zu den in Tabelle 2 genannten Lokalrezidivraten nach Haut sparender Mastektomie ist anzumerken, dass die Definition der Haut sparenden Mastektomie nicht einheitlich erfolgt, sodass die Lokalrezidivraten grundsätzlich nicht miteinander vergleichbar sind. Dennoch zeigt sich, dass auch die Haut sparende Mastektomie eine Lokalrezidivrate aufweist, die im Vergleich mit der modifiziert radikalen Mastektomie vergleichbar ist und daher onkologische Sicherheit verspricht.

Priv.- Doz. Dr. med. Dr. med. habil.
Christian J. Gabka
Praxis für Plastische Chirurgie
Böcklinstraße 1
80638 München

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.