ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Zweifel an chirurgischen Fähigkeiten der Gynäkologen

MEDIZIN: Diskussion

Rekonstruktive und plastisch ästhetische Mammaoperationen: Zweifel an chirurgischen Fähigkeiten der Gynäkologen

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1947

Biemer, Edgar

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LNSLNS Der Artikel liest sich wie eine kurzgefasste Propädeutik für einen jungen Kollegen in der plastischen Chirurgie. Erstaunlich ist es nur, dass nicht darauf hingewiesen wird, dass alle genannten Verfahren, seien sie nun wiederherstellend oder rein ästhetisch, von plastischen Chirurgen entwickelt und seit Jahren in großer Zahl durchgeführt werden. Ebenso erstaunlich ist es, dass für die Wiederherstellungsoperationen an der weiblichen Brust der Gynäkologe als Kristallisationspunkt aller Fähigkeit dargestellt wird, statt eine Zusammenarbeit zwischen Onkologen und plastischen Chirurgen zu favorisieren, wie es in der Deutschen Gesellschaft für Senologie seit Jahren geschieht. Ich bin nicht sicher, wie ein Gynäkologe in seiner Facharztausbildung diese Kenntnisse erwerben soll, da selbst bei der fakultativen Weiterbildung, „speziell operative Gynäkologie“ – die die wenigsten Gynäkologen haben – nur eine verschwindend kleine Zahl von Operationen zur Formvollendung oder Wiederherstellung einschließlich Lappenplastiken gefordert wird, sodass sie sicher einem voll ausgebildeten plastischen Chirurgen in diesem Gebiet unterlegen sind. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass in den vorgestellten Verfahren nur die Standardverfahren – eben Propädeutik – dargestellt werden. Was mache ich zum Beispiel, wenn eine autologe Brustrekonstruktion gewünscht wird, aber weder der Latissimus, noch der TRAM-Lappen zur Verfügung stehen? In der modernen Medizin, in der es zunehmend zu Schwerpunktbildungen kommt, die nur durch eine interdisziplinäre Kooperation optimale Ergebnisse liefern, sollten solche Statements nicht, schon gar nicht im Deutschen Ärzteblatt, abgegeben werden.

Prof. Dr. med. Edgar Biemer
Chirurgische Klinik und Poliklinik der
Technischen Universität, Klinikum rechts der Isar
81664 München

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