ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003Osteoporose: Teriparatid stimuliert die Knochenneubildung

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Osteoporose: Teriparatid stimuliert die Knochenneubildung

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): A-1954

EB

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Quelle: Jiang Y., ASBMR 2002, Abstract 1041 Mikro-CT-Aufnahme/Knochenbiopsat einer Patientin aus der Zulassungsstudie* vor (links) und nach (rechts) 21-monatiger Behandlung mit 20 µg Teriparatid bei 1 × täglicher subkutaner Anwendung *Neer et al. NEJM 2001
Quelle: Jiang Y., ASBMR 2002, Abstract 1041 Mikro-CT-Aufnahme/Knochenbiopsat einer Patientin aus der Zulassungsstudie* vor (links) und nach (rechts) 21-monatiger Behandlung mit 20 µg Teriparatid bei 1 × täglicher subkutaner Anwendung *Neer et al. NEJM 2001
Mit dem biotechnologisch hergestellten Parathormon-Fragment PTH 1–34, auch Teriparatid genannt, steht ein neues therapeutisches Prinzip für die Therapie der Osteoporose zur Verfügung. Es stimuliert die Osteoblasten und fördert direkt die Neubildung von Knochen. Durch seine osteoanabole Wirkung, so konnte in Studien nachgewiesen werden, schützt Teriparatid vor Frakturen.
Parathormon, das als zentraler Calciumregulator sowohl die Anzahl als auch die Aktivität der Osteoblasten beeinflusst, wird als Peptid von 84 Aminosäuren freigesetzt (PTH 1–84). Die amino-terminale Sequenz 1–34 ist für seine biologische Wirksamkeit zuständig. Bei Teriparatid handelt es sich um ein 34 Aminosäuren langes, rekombinantes Fragment des endogenen Parathormons.
Während ein dauerhaft erhöhter Parathormonspiegel osteokatabol wirkt, stimuliert Teriparatid bei intermittierender Applikation von geringen Dosen (zum Beispiel einmal täglich 20 µg) die Knochenneubildung. Es startet Signalkaskaden, die zu einer Aktivierung von „bone lining cells“ zu aktiven Osteoblasten und zu einer Hemmung der Apoptose der Osteoblasten führt. Durch Vernetzung der Trabekel und eine Zunahme der Kortikalisdicke wird neues, belastbares Knochengewebe aufgebaut. Damit unterscheidet sich Teriparatid von den Antiresorptiva (Bisphosphonaten), die über eine Hemmung der Osteoklasten einen Knochenabbau verhindern.
Die Knochenwirksamkeit von Teriparatid war Endpunkt einer prospektiven, randomisierten, im Doppelblindversuch durchgeführten Frakturstudie mit 1 637 Frauen nach den Wechseljahren und mit fortgeschrittener Osteoporose. Die Patientinnen, die im Durchschnitt 2,3 vertebrale Frakturen erlitten hatten, erhielten täglich 20 beziehungsweise 40 µg Teriparatid oder Placebo sowie zusätzlich eine Basistherapie mit Calcium (1 000 mg/Tag) und Vitamin D (400 bis 1 200 IU pro Tag): Die besonders schmerzhaften vertebralen Frakturen traten bei den mit 20 µg Teriparatid behandelten Frauen gegenüber Placebo um 90 Prozent seltener auf, multiple vertebrale Frakturen wurden um 77 Prozent reduziert. Die Knochenmineraldichte der Wirbelsäule war bereits nach drei Monaten deutlich erhöht und betrug nach 21 Monaten 9,7 Prozent.
Um die Veränderung der Mikroarchitektur zu berurteilen, analysierte Dr. Yebin Jiang (San Francisco) Beckenkammbiopsien von Patientinnen aus der Frakturstudie. Die dreidimensionale Ausmessung zeigte, dass das trabekuläre Volumen unter der Therapie mit Teriparatid im Vergleich zu Placebo um 60 Prozent zunahm. Während sich die trabekuläre Vernetzung in der Verumgruppe um 40 Prozent erhöhte, nahm sie unter Placebo um fünf Prozent ab. Die einzigen Nebenwirkungen, die unter Teriparatid signifikant häufiger als unter Placebo auftraten, waren Wadenkrämpfe (drei versus ein Prozent) und Schwindel (neun versus sechs Prozent).
Nach den Ergebnissen einer US-Studie entfaltet Teriparatid bei Männern die gleiche Wirksamkeit wie bei Frauen. Dementsprechend ist die Zulassung als Forsteo® für die Therapie der manifesten Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern beantragt. EB

Pressekonferenz „Parathormon und Raloxifen – Osteoporosetherapie, auf die es ankommt“ von Eli Lilly anlässlich des Internistenkongresses 2003 in Wiesbaden
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