ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2003rund ums Geld: Mythos Cost-Average

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Mythos Cost-Average

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): [76]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Im vorigen Beitrag habe ich meine Gedanken entwickelt, warum Stopploss-Orders eigentlich eher unsinnig sind. Um das Maß der Renitenz (scheinbarer) Börsenklugheiten gegenüber voll zu machen, widme ich mich heute der Anlagestrategie des „Cost-Averaging“.
Beim „Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosten-Effekt)“ steht die Idee Pate, dass bei regelmäßiger Einzahlung konstanter Beträge der durchschnittliche Preis gekaufter Anteile sänke, dies lese ich zumindest oft genug.
Wenn ich beispielsweise über Jahre hinweg immer 100 Euro einzahle und der Anteilspreis in einer Haussephase 15 Euro ist, bekomme ich dann für den Gegenwert 6,66 Anteile, während in einer Baissephase etwa nur acht Euro für einen Fonds zu zahlen sind, ich demnach dafür 12,5 Anteile einbuchen könnte. Da aber letztlich keiner weiß, wo Baisse anfängt und Hausse aufhört, bildet sich über die Jahre hinweg ein Durchschnittskostenpreis heraus.
Aber: Der in der Realität gebildete Durchschnittskostenpreis vermag schnell die oben genannte Idee (eines sinkenden Anteilspreises) Lü-
gen strafen. In einer lange Phase steigender Aktienkurse wird ein Sparer, der auf dem Tiefpunkt einsteigt, sich vielmehr einem steigenden durchschnittlichen Preis seiner Anteile gegenübersehen.
Richtiger wäre vielmehr, dass sich der durchschnittliche Preis um so mehr einpendelt, wie sich Hausse- und Baissephasen gleichmäßig ablösen. Dabei ist, dass wir uns richtig verstehen, eine Strategie regelmäßiger Einzahlungen durchaus vorteilhaft, weil sie eine gewisse Disziplinierung im Sparverhalten schafft.
Das Fatale ist aber etwas anderes. Die Protagonisten des Cost-Average-Effekts suggerieren, dass dieses Anlageverhalten sich zwingend vorteilhaft auf die Rendite des Portfolios niederschlage.
Davon kann in Wahrheit aber keine Rede sein. Der Durchschnittskurs hat in Bezug auf die Rendite schlichtweg null Relevanz, weil sich Äpfel mit Birnen nicht vergleichen lassen. Die Rendite bildet sich aus dem gekauften Wertpapier selbst und nicht etwa aus der gewählten Strategie des Cost-Averaging! Theoretisch: Wenn über zehn Jahre die Kurse gleich blieben, hätten Sie einen wundervollen Average-Durchschnitts-Effekt und eine Rendite um null.
Nicht ohne Grund finden Sie, wenn Sie im Internet nach „Cost-Average-Effekt“ suchen, die meisten Einträge zu diesem Thema von Fondsgesellschaften. Das muss einen misstrauisch machen, sitzen diese Kapitalsammelstellen doch immer am Gewinnertisch, schließlich fallen bei jedem Kurs Provisionen an. Der auf Cost-Average geeichte Anleger sichert der Fondsgesellschaft zuallererst schöne regelmäßige Erträge. Gut erzogen ist eben noch besser verdient. Das ist im Grunde nichts Schlimmes, nur sollte jeder wissen, wes Geistes Kind eine Anlageregel ist.
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