VARIA: Post scriptum

Intelligenz in Dortmund

Dtsch Arztebl 2003; 100(28-29): [76]

Pfleger, Helmut

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Dortmund protestiert allenfalls nur leicht verschämt, wenn es als „Wimbledon des Schachs“ gepriesen wird. Zu gut weiß man um seine Bedeutung beim Traditionsturnier „Sparkassen Chess Meeting“, einem der Glanzlichter im Weltschach. Und gerne zitiert man den früheren holländischen Weltmeister und nachmaligen Präsidenten des Weltschachbundes Max Euwe: „Ein intelligentes Spiel für intelligente Menschen in einer intelligenten Stadt!“ Das entspricht dem neuen Image der Westfalenmetropole, dem Wandel von Kohle, Stahl und Bier zur modernen Informationsgesellschaft.
Zum diesjährigen Turnier vom 31. Juli bis 10. August (Fernsehsendungen im WDR in den Nächten vom 4./5. um 0.40 Uhr, vom 6./7. um 0.15 Uhr und vom 11./12. August um 0.35 Uhr, jeweils 45 Minuten – Wiederholungen jeweils morgens) ist es gelungen, ein besonders exquisites Feld nach Dortmund zu locken. Weltmeister Wladimir Kramnik, der seinen russischen Landsmann Kasparow entthronte, sein Herausforderer und halbes „Dortmunder Kindl“ (er suchte sich sogar seine Frau dort) Peter Leko (Ungarn) sowie der Schnelldenker Viswanathan Anand, der gerade in Indien zum „Sportler des Jahres“ gewählt wurde, stehen beziehungsweise sitzen zwei jungen Talenten gegenüber: dem erst 16-jährigen Aserbeidschaner Teimur Radjabow, der kürzlich Garry Kasparow in einer spektakulären Opferpartie besiegte und dafür den Schönheitspreis und einen Wutanfall Kasparows einheimste, und der großen Dortmunder Hoffnung, dem 18-jährigen Arkadi Naiditsch, der trotz seiner Jugend schon zu Deutschlands Besten zählt.
Vervollständigt wird das Feld durch den Moldawier Viorel Bologan, Sieger des kürzlichen weltstärksten Aeroflot-Opens in Moskau.
Das Motto der Sparkasse lautet: „Einen Zug vorausdenken!“ Damit ist es bei diesen Figurenkünstlern im Allgemeinen nicht getan, oft müssen sie zehn und mehr Züge vorausberechnen – Gott sei Dank, für Sie waren es in der folgenden Variante einer Partie zwischen „Vishy“ Anand und dem Ukrainer Wassili Iwantschuk in Las Palmas 1996 einige weniger.
Gefährlich braut sich die weiße Streitmacht um den schwarzen König zusammen. Sehen Sie, mit welch herrlicher Opferkombination Anand als Weißer diesen matt setzen konnte?

Lösung:Nach dem Damenopfer 1. Dxg6! ist Schwarz verloren. Auf die Annahme des Opfers mit 1. ...fxg6 folgt das Abzugs-Doppelschach 2. Sf6++ Kh8 3. Th4 matt; köstlicherweise hätte auch der Einschub 1. ...Lxf2+ 2.Kxf2 fxg6+ (die Dame wird also sogar mit Schach geschlagen) wegen 3. Sf6++ mit Unterbrechung der f-Linie nicht geholfen – ein wahrer Teufelsspringer, der im Fallen, und höchst verwundbar, dem feindlichen König den Todesstoß versetzt. Andere Züge wie 1. ...Le6 hätten das Leiden nur kurzfristig verlängert.
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