ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Adipositas: Nur die Minderheit hat Normalgewicht

AKTUELL: Akut

Adipositas: Nur die Minderheit hat Normalgewicht

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-1973 / B-1637 / C-1545

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Übergewicht und Adipositas werden das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren zunehmend belasten. Davon ist der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, Dr. Alfred Wirth (Bad Rothenfelde), überzeugt. Bereits jetzt bringe nur noch ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ein Gewicht auf die Waage, das als gesundheitlich unbedenklich gilt. Zwei Drittel seien übergewichtig, jeder Fünfte davon habe einen Body Mass Index (BMI) von größer 30 kg/m². Tendenz: zunehmend. Denn auch bei Kindern und Jugendlichen steige die Prävalenz der Adipositas. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche seien bereits übergewichtig, berichtet Wirth. Mit der Adipositas seien einige Krankheiten assoziiert, die jede für sich mit hohen Behandlungskosten verbunden ist, sagte Wirth in München. So seien der Diabetes bei Adipösen zehnmal, Hypertonie und Herzinfarkt viermal und Krebserkrankungen doppelt so häufig wie bei Normalgewichtigen. „Die Adipositas kostet das Gesundheitssystem mehr als der Herzinfarkt und ebenso viel wie der Diabetes und das Zigarettenrauchen“, sagte Wirth.

Den Anlass für die Pressekonferenz gab der Abschluss einer landesweiten Abnehmaktion „BayernLight – Leichter leben in Bayern“. Jeder der insgesamt 30 180 Teilnehmer hätte innerhalb von vier Monaten im Durchschnitt sein Körpergewicht um 5,21 Kilogramm reduziert, berichtete der Straubinger Apotheker Hans Gerlach. Der Fettverlust pro Teilnehmer liege im Durchschnitt bei 3,92 Kilogramm. Rein rechnerisch, so Gerlach, haben alle Teilnehmer zusammen mehr als 111 Tonnen abgespeckt.An der viermonatigen Abnehmaktion waren 75 Apotheken in 52 Städten und Gemeinden sowie 1 835 Bäcker, Metzger, Konditoren, Gaststätten, Kantinen, Sportvereine und Sportstudios beteiligt. In den Apotheken habe man 150 000-mal das Gewicht gemessen und das Körperfett bestimmt, teilte Gerlach mit.

Vielfach sei bei den Übergewichtigen mit der simplen Empfehlung, weniger zu essen und mehr Kalorien zu verbrauchen, nichts zu erreichen, erinnerte der Münchner Endokrinologe Prof. Armin Heufelder. Ohne
eine konsequente Umstellung der Ernährung, die Änderung falscher Lebensgewohnheiten sowie eine Steigerung der körperlichen Aktivitäten gehe gar nichts. Bei Patienten mit einem BMI von größer 27 kg/m² reichten diese Maßnahmen allein erfahrungsgemäß jedoch nicht aus. Hier könne eine unterstützende, medikamentöse Therapie die Motivation und die Erfolgsaussichten steigern. Jürgen Stoschek
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