ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1996Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer: Optimismus ist Pflicht

POLITIK: Aktuell

Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer: Optimismus ist Pflicht

Dtsch Arztebl 1996; 93(45): A-2913 / B-2489 / C-2313

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer hat in Dresden ein eigenes Kammergebäude bezogen. Die offizielle Einweihung fand am 25. Oktober statt.


Sechs Jahre nach ihrer Gründung hat die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer ihr neues Kammergebäude bezogen, einen eleganten, transparenten Bau. Er liegt am Rande der Dresdener Innenstadt, in der sogenannten Albertstadt, auf dem Gelände eines riesigen Kasernenkomplexes, der bis zur Wende teils von der Volksarmee und zum größeren Teil von sowjetischen Truppen genutzt wurde. Die Umwandlung von Militärgelände in eine moderne Bürostadt (das Kammergebäude ist Teil davon) zeigt beispielhaft, so der sächsische Sozialminister Dr. Hans Geisler, wie Schwerter zu Pflugscharen werden können. Kammerpräsident Prof. Dr. med. habil. Heinz Diettrich sieht den Neubau nicht allein als Ort der Verwaltung und der Bürokratie, sondern auch als Begegnungsstätte. Vor allem die ärztliche Fortbildung soll hier gepflegt werden. Die räumlichen Voraussetzungen dazu sind gegeben: Ein kommunikationsfreudiger Plenarsaal, eine Reihe unterschiedlich großer Seminarräume, ein weitläufiges Foyer und ein Restaurant. Begegnen sollen sich aber nicht nur die sächsischen Ärzte – zur Zeit sind das 15 000 –, sondern auch Ärzteschaft und Kunst. Eine besondere Affinität besteht, nicht zuletzt dank des musikalischen Präsidenten, zur Musik. Der Plenarsaal beispielsweise steht auch für die Absolventenkonzerte der Dresdener Musikhochschule zur Verfügung. Musik prägte auch die Eröffnungsveranstaltung: Ein Quintett, zum Teil besetzt mit Ärzten, spielte Mozarts Klarinettenquintett in A-Dur, und der Pianist Peter Rösel führte Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" vor, eine aufregende Interpretation.
Sozialminister Geisler brachte einige wenige politische Töne ins Spiel. Er sprach von der unauflösbaren Spannung zwischen Finanzierungsmöglichkeiten und höherer Lebenserwartung. "Mit Grenzen zu leben ist unsere Aufgabe." Er sieht als Alternative, entweder zu rationieren oder "die Verantwortung aller stärker in Anspruch zu nehmen".
Anspielend darauf, daß die Kammer nicht gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung gebaut hat, wünschte Geisler, es möge nicht endgültig bei Differenzen bleiben. Anläßlich der Einweihung, die zugleich die Eröffnung des 6. Sächsischen Ärztetages war, wurde erstmals die Hermann-Eberhard-Friedrich-Richter-Medaille verliehen. Sie ist benannt nach dem in Leipzig geborenen, in Dresden wirkenden Prof. Richter, der Initiator des ersten Deutschen Ärztetages im Jahre 1873 war und der außerdem 1872 das Ärztliche Vereinsblatt (auf das das Deutsche Ärzteblatt zurückgeht) begründete. Für Verdienste um die sächsische Ärzteschaft wurden drei Ärzte ausgezeichnet: Prof. Dr. med. habil. Jan Schulze, Vorsitzender des ersten unabhängigen Ärzteverbandes nach der Wende; Dr. med. Peter Schwenke, der in Leipzig Mitglied des Runden Tisches war und heute "Vize" der Kammer ist; und Dr. med. Helmut Knoblauch, der das Versorgungswerk in Sachsen maßgeblich aufbaute.
Dem Berichterstatter aus Westdeutschland fielen in Dresden einige Besonderheiten auf: Kammerpräsident Diettrich beklagte die Zeit der Dissoziation und des Superindividualismus und hofft auf mehr solidarisches Miteinander. Von überspitztem Individualismus war bei und am Rande der Veranstaltung häufiger die Rede, und Gemeinschaftsgefühl und solidarisches Handeln wurden, auch in Erinnerung an gemeinsam erlebte DDRZeiten, mehrfach beschworen. Kammervizepräsident Schwenke sieht in dem neuen Kammergebäude einen Ort der Geborgenheit, und die sei (ehemaligen) DDR-Bürgern ja ein Bedürfnis. Minister Geisler hält die aus der DDR hinübergeretteten Gemütswerte für den Beitrag, "den wir in unser Vaterland einbringen".
Im Festvortrag von Prof. Dr. med. habil. Wolfgang Rose (der zunächst das Lokalkolorit liebevoll vorstellte) fiel vor allem die betonte Zuwendung zur Zukunft auf. Rose setzte auf Europa und europäische Zusammenarbeit (auch mit Blick auf die östlichen Nachbarländer), wie es manch müdem "Westmenschen" leider kaum noch über die Lippen kommt. Rose erinnerte an Poppers Ausspruch "Optimismus ist Pflicht". Damit sei die Aufforderung verbunden, Zukunft zu gestalten. Die Pflicht zum Optimismus ziele auf die Verantwortlichen, auch die in der Ärzteschaft. NJ

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