ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Bluthochdrucktherapie: Kontroverse um die ALLHAT-Studie

POLITIK: Medizinreport

Bluthochdrucktherapie: Kontroverse um die ALLHAT-Studie

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LNSLNS Die Ergebnisse der „Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial“ (ALLHAT), bei der Diuretika eine gleich gute Wirkung wie Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer zeigten, haben eine rege Diskussion über den medizinischen und ökonomischen Nutzen von „neueren“ und „älteren“ Antihypertonika ausgelöst.
Nachfolgend belegen Experten ihre Pro- und Kontra-Argumente.

ALLHAT ist die erste große Studie (42 418 Teilnehmer über 55 Jahre in 623 nordamerikanischen Zentren), in der mehrere Präparate direkt miteinander verglichen wurden, wobei als primärer Endpunkt nicht nur die antihypertensive Wirkung, sondern auch die Zahl der tödlichen und nichttödlichen Herzinfarkte festgelegt wurde. Die Studie begann 1994. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem Blutdruck von 140/90 mm Hg oder höher, die außer einer Herzerkrankung wenigstens einen weiteren Risikofaktor aufwiesen – also Raucher oder Typ-2-Diabetiker waren. Verglichen wurden ursprünglich vier Medikamente: das Diuretikum Chlorthalidon, der Kalziumantagonist Amlodipin, der ACE-Hemmer Lisinopril und der Alphablocker Doxazosin.
Der Alphablocker-Arm der Studie wurde im März 2000 gestoppt, nachdem eine um 25 Prozent erhöhte Rate an kardiovaskulären Ereignissen aufgetreten war und festgestellt wurde, dass die Patienten doppelt so häufig wie im Diuretika-Ast wegen Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden. Für die drei anderen Medikamente wurden nach 4,9 Jahren keine Unterschiede im primären Endpunkt (Herzinfarktrate) gefunden. Auch in der Gesamtsterblichkeit (sekundärer Endpunkt) gab es keine Vorteile für das eine oder andere Medikament.
Bei den weiteren sekundären Endpunkten traten hingegen überraschende Differenzen auf: Im Vergleich zum Diuretikum führte die Behandlung mit dem Kalziumantagonisten zu einem um 38 Prozent höheren Risiko der Entwicklung von Herzinsuffizienz und die Behandlung mit dem ACE-Hemmer zu einem 15 Prozent höheren Schlaganfall-Risiko, einem 19 Prozent höheren Herzinsuffizienz-Risiko und einem zehn Prozent höheren Risiko, dass die Patienten sich einer koronaren Revaskularisation unterziehen mussten. Claude Lenfant, der Direktor des National Heart, Lung, and Blood Institute, Sponsor der Studie, urteilte daher: „Diuretika sind die beste Wahl zur Behandlung des Bluthochdrucks und zur Vermeidung seiner Komplikationen, sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Sicht.“

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