ArchivDeutsches Ärzteblatt30/200360. Todestag von Dr. John Rittmeister: Wir können es doch wissen

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60. Todestag von Dr. John Rittmeister: Wir können es doch wissen

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-1998 / B-1660 / C-1564

Tubbesing, Holger

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LNSLNS Mit großem Interesse habe ich den Artikel zum 60. Todestag des Kollegen Dr. John Rittmeister gelesen, der mit den Widerständlern um Harro Schulze-Boysen in die Mühlen der NS-Justiz geriet und im Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde. Die Widerstandsgruppe findet auch in dem zeitgeschichtlich sehr aufschlussreichen Rowohlt-TB „Der Fragebogen“ (Entnazifizierung) von Ernst von Salomon Erwähnung – neben anderen wie besonders der „Obergruppe Imming“. Ein Zitat am Schluss des Artikels muss aber noch zurechtgerückt werden, nach dem wir „eigentlich nicht wissen, worauf eine seelische Verfassung gegründet ist, die sich unter gar keinen Umständen verleiten lässt“.
Ich denke, aus den Biografien von Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, Friedrich von Bodelschwingh (d. J.), Kardinal von Galen, Patres Kolbe, Delp, Lichtenberg u. a., Paul Schneider (dem „Prediger von Buchenwald“), Martin Niemöller, den Kollegen Dr. Kurt Reuber (auch Pastor und Zeichner der „Stalingrad-Madonna“) und Dr. Hans von Lehndorff und all ihren Mitstreitern sowie den Leuten des 20. Juli 1944 (deren tief bewegende Abschiedsbriefe in dem Gollwitzer-TB „Du hast mich heimgesucht bei Nacht“ veröffentlicht sind) können wir es doch wissen.
Wer sieht einen anderen geistigen und geistlichen Boden, auf dem damals wie heute echter Anti-Totalitarismus und konsequenter Widerstand gegen den Utilitarismus (diese mit „Eu“-thanasie, Designer-Kindern, Embryonen-, unter anderem Nichteinwilligungsfähigen-Verbrauch, Heilberufe-Fellachisierung, Sonntags-Einebnung etc. gerade jetzt wieder ökonomistisch verkappt heraufziehende Neofaschismus „Spiel“-art!) wachsen können?
Bonhoeffer schrieb einmal sinngemäß: „Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Denn Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern schon die Erfahrungen am Leibe der Brüder und Schwestern, um derentwillen Christus auch gelitten hat, zur Tat und zum Mitleiden.“ Und: „Wir müssen uns immer wieder sehr gründlich und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu vertiefen, um zu verstehen, was Gott verspricht und was er erfüllt!“
Dr. med. Holger Tubbesing,
Kölnische Straße 4, 34117 Kassel
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