ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Krankenhäuser: Klassifikationen sind eine Daueraufgabe

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Krankenhäuser: Klassifikationen sind eine Daueraufgabe

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-2001 / B-1663 / C-1567

Schopen, Michael

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Überblick über die Klassifikationen auf der DIMDI-Website
Überblick über die Klassifikationen auf der DIMDI-Website
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation
und Information leistet Pionierarbeit.

Zurzeit beschäftigen sich Hunderte von Ärzten, Controllern und Softwaredienstleistern mit der Einführung der neuen Entgeltsysteme. Grundlage für das neue diagnosebezogene Pauschalentgeltsystem in Krankenhäusern sind die Klassifikationen, die vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln für den deutschsprachigen Raum herausgegeben werden. Über www.dimdi.de stehen die aktuellen Fassungen der Klassifikationen, Nomenklaturen und Begriffssysteme im Internet kostenfrei zum Download zur Verfügung.
Klassifikationen wie die ICD-10-SGB-V oder der OPS-301 spielen bei der Entwicklung neuer Vergütungs- und Entgeltsysteme im stationären und im ambulanten Bereich eine immer größer werdende Rolle. Das DIMDI ist für die Herausgabe und Pflege solcher Klassifikationen verantwortlich.
Eine zentrale Rolle in der Koordinierung und Beratung von Klassifikationsproblemen nimmt das Kuratorium für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen wahr, dessen Geschäftsstelle beim DIMDI angesiedelt ist. Im Kuratorium sind alle maßgeblichen Partner im Gesundheitswesen (zum Beispiel Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Spitzenverbände der Kran­ken­ver­siche­rungen, Deutsche Krankenhausgesellschaft) vertreten.
Das DIMDI ist an der Pflege der Original-ICD-10 durch die WHO beteiligt. Infolge der engen Zusammenarbeit mit der WHO und der Bewerbung des DIMDI als WHO Collaborating Center sind zwei weitere internationale Klassifikationen in die Zuständigkeit des DIMDI übergegangen: ICD-O und ICF.
Internationale Klassifikation der Krankheiten – ICD-10
Die von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) herausgegebene ICD-10 wird weltweit als Diagnosenklassifikation eingesetzt. Die ICD-10 ist Grundlage der international vergleichbaren Todesursachenstatistik – der längsten Zeitreihenstatistik des Gesundheitswesens.
In der ambulanten und stationären Versorgung ist eine Adaptation an die Zwecke des 5. Sozialgesetzbuches (ICD-10-SGB-V) im Einsatz. Die ICD-10 schafft Transparenz im vertragsärztlichen Sektor und dient der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Im stationären Bereich ist sie Grundlage der Krankenhausdiagnosenstatistik und ermöglicht die Abrechnung nach Sonderentgelten und Fallpauschalen.
Auch im jetzt einzuführenden System der Diagnosis Related Groups (DRGs) wird die ICD-10-SGB-V dazu verwendet, die Fallgruppen auf der Diagnosenachse zu definieren. Die Überleitungstabellen des DIMDI erleichtern den Umstieg von der ICD-9 zur ICD-10 und zwischen den unterschiedlichen Versionen der ICD-10. Korrekturlisten zeigen übersichtlich, was sich bei Aktualisierungen geändert hat.
Der ICD-10-Diagnosenthesaurus bietet zur praktischen Arbeit eine alphabetische Liste mit etwa 32 000 fertig verschlüsselten Diagnosen. Er steht auch als Buchversion mit über 60 000 Sucheinträgen zur Verfügung. Eine beträchtlich erweiterte Neuausgabe ist in Vorbereitung.
Operationenschlüssel –
OPS-301
Der Operationenschlüssel nach § 301 SGB V wurde vom DIMDI im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung erstellt. Ursprünglich wurde der OPS-301 zur Definition der Sonderentgelte und Fallpauschalen in der Abrechnung stationärer Leistungen eingesetzt; er umfasste nur operative Eingriffe. Seit Januar 2002 werden mit der Version 2.1 (Stand 15. August 2001) medizinische Prozeduren im Krankenhaus verschlüsselt. Hintergrund ist auch hier die Einführung der Diagnosis Related Groups in diesem Jahr.
Das DIMDI unterstützt auch die Prozedurenverschlüsselung mit Anwendungshilfen: Überleitungstabellen erleichtern den Umstieg von einer Version zur nächsten. Ein Prozedurenthesaurus (Beta-Version zu Erprobungszwecken) liegt ab dem ersten Quartal des Jahres 2003 erstmals vor.
Für die Onkologie: ICD-O
Als Spezialausgabe der ICD-10 dient die ICD-O-3 der Dokumentation von Neubildungen. Mit dem Lokalisationsschlüssel kann der Ort einer Neubildung, mit dem Histologieschlüssel können deren Zellbild und biologisches Verhalten codiert werden. In den Krebsregistern wird die ICD-O auf der Basis des Krebsregistergesetzes und weiter nach dessen Fortschreibung in den Landeskrebsregistergesetzen verwendet.
Für Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit: ICF
Infolge des medizinischen Fortschritts und des wachsenden Alters der Bevölkerung ist die alleinige Festlegung auf das Konzept „Krankheit“ nicht mehr ausreichend, denn die Behandlung chronisch Kranker und die Betreuung von Personen mit bleibenden Ausfällen gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Die WHO hat daher 2001 die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (vormals ICIDH, International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps) als ein weiteres Instrument beschlossen, das gemeinsam mit der ICD-10 den Gesundheitszustand einer Bevölkerung umfassend beschreiben soll.
Die ICF wurde von einem Arbeitskreis von medizinischen Experten unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Michael F. Schuntermann vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger übersetzt. Die Rechte wurden auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen. Die offizielle Ausgabe der ICF wird beim DIMDI in Kürze bereitstehen; eine Vorabversion ist bereits jetzt über die Internetseiten zugänglich.
UMLS – Medizinvokabularien verknüpfen
Das Unified Medical Language System (UMLS) enthält medizinische Bezeichnungen und deren semantische Beziehungen. Die Bezeichnungen stammen aus ungefähr 100 heterogenen begrifflichen Ordnungssystemen und medizinischen Nomenklaturen in vielen Sprachen.
Das UMLS führt die Bezeichnungen aus den Einzelvokabularien zu einem Metathesaurus zusammen, dessen Konzepte in einem semantischen Netzwerk verknüpft sind. Der Metathesaurus speist außerdem ein linguistisches Lexikon, das zusammen mit Sprachverarbeitungsroutinen als Specialist Lexicon enthalten ist. Das DIMDI liefert seine deutschsprachigen Vokabularien jährlich in das UMLS und hat Deutsch damit zur zweithäufigsten Sprache im Metathesaurus gemacht.
Über die medizinischen Klassifikationen hinaus stellt das DIMDI ein Informationsangebot mit mehr als 70 Datenbanken mit Millionen von Dokumenten aus der gesamten Medizin zur Verfügung. Zu den Aufgaben des DIMDI gehören auch die Herausgabe deutscher Versionen des MeSH (Medical Subject Headings) und des UMDNS (Universal Medical Device Nomenclature System). Außerdem enthalten die Informationssysteme für Arzneimittel (AMIS), Medizinprodukte und Health Technology Assessment (HTA) beim DIMDI Daten und Publikationen zu diesen Themen.
Über www.MedPilot.de, die neue Recherchefunktion in Kooperation mit der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin in Köln, werden Recherchen und Literaturbestellung in den Datenbanken von DIMDI und ZBMed sowie in den Katalogen der ZBMed leicht gemacht.

Literatur
Zaiß A, Graubner B, Ingenerf J, Leiner F, Lochmann U, Schopen M, Schrader U, Schulz S: Medizinische Dokumentation, Terminologie und Linguistik. In: Lehmann Th, Meyer zur Bexten E: Handbuch der Medizinischen Informatik. Hanser, München, 2002.

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation
und Information
Waisenhausgasse 36–38 a, 50676 Köln
Telefon: 02 21/4 72 41, Fax: 02 21/4 72 44 44
E-Mail: posteingang@dimdi.de
Internet: www.dimdi.de

Zuständig für Klassifikationen
Leitung: Dr. rer. nat. Ursula Küppers
Telefon: 02 21/4 72 43 14
Fax: 02 21/4 72 44 44
E-Mail: kueppers@dimdi.de

Dr. med. Michael Schopen
Telefon: 02 21/4 72 43 25
Fax: 02 21/4 72 44 44
E-Mail: schopen@dimdi.de
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