ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Apotheker: Lösung – Vertrieb über die Arztpraxis

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Apotheker: Lösung – Vertrieb über die Arztpraxis

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-2003

Packbier, Leo

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LNSLNS Liest man den Bericht, so kann man sich nicht des Eindruckes erwehren, dass das DÄ sich zur Jammerpostille der Apothekerschaft entwickelt. Die Damen und Herren akademischen Gemischtwarenhändler, die neben Genussmitteln, Lifestyle-Drugs und Körperpflegemitteln aller Art auch noch Medikamente im Sortiment haben, können den Hals wohl nicht voll genug bekommen. Die mehrfach in verschiedenen Medien angesprochenen Gewinnspannen von bis zu 100 % Naturalrabatt bei verschiedenen Generika bedürfen wohl keiner Kommentierung.
Es wird von der Ärzteschaft offenbar akzeptiert, dass der Profit der Behandlung chronisch kranker Menschen nicht dem Arzt, der Behandlung – im Ernstfall auch vor Gericht – verantwortet, sondern dem Apotheker, der regelmäßig die hochpreisige Medikation verkauft, zugute kommt. Daneben hat die Apothekerschaft offenbar keine Hemmungen, aktiv in die Diagnostik einzusteigen und verschiedenste Laboruntersuchungen (einschließlich Beurteilung) dem zahlungskräftigen Kunden zu verkaufen. Auch kostenpflichtige Beratungen zu Schutzimpfungen vor Fernreisen sollen schon gelegentlich durch Apothekenpersonal erfolgt sein. In Anbetracht der Liberalisierung der Ladenschlusszeiten platzt einem beim Thema Notdienstgebühr für Apotheken endgültig der Kragen! Welcher Arzt bekommt für einen Hausbesuch zur Nachtzeit etwa eine Bereitschaftsdienstgebühr? Es ist doch geradezu grotesk, wenn der Supermarkt neben der Apotheke bis 20 Uhr geöffnet ist und die Apotheke ab 18.30 Uhr eine zusätzliche „Notdienstgebühr“ berechnet.
Meiner Ansicht nach kann es nur eine Lösung geben: In Anbetracht sinkender Erträge aus ärztlicher Tätigkeit muss die gesetzliche Grundlage zum Vertrieb von verschreibungspflichtigen Medikamenten – wie schon bei unseren veterinärmedizinischen Kollegen – direkt über die Arztpraxis geschaffen werden. Den Markt der mit freiverkäuflichen Medikamenten zu behandelnden Bagatellerkrankungen kann man dann getrost der Apothekerzunft überlassen.
Dr. med. Leo Packbier, Bonner Straße108 e, 53773 Hennef/Sieg
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