ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Medizinstudium: Permanente Reform

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Medizinstudium: Permanente Reform

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-2005 / B-1667 / C-1571

Nizze, Horst

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LNSLNS Zu Recht beklagt Herr Kollege Schulze Mängel der neuen Approbationsordnung für Ärzte (AO), die leider erst bei der anstehenden Anwendung Probleme bereiten werden. Anhaltende Übergangsregelungen und Überschneidungen alter und neuer Studienordnungen sind Hochschullehrern in den neuen Bundesländern im letzten Jahrzehnt bereits zur Gewohnheit geworden. Auf dankenswerten Sitzungen gemeinsamer Kommissionen wurden die Ostuniversitäten mit dem Räderwerk der sieben Novellierungen der bundesdeutschen AO vertraut gemacht, um dieses rasch im Wechsel zur letzten DDR-Studienordnung einzuführen. Verständnisvolle Argumente, aus bewährten deutsch-deutschen Erkenntnissen eine gemeinsame, bessere AO zu entwerfen, wurden seinerzeit von Ministerialbeamten und Altachtund-
sechzigern recht verständnislos zurückgewiesen. Dies ist umso bedauerlicher, da schon unmittelbar nach der Wende klar war, dass die siebenfach novellierte alte AO zwar kritikwürdig und reformbedürftig, diese jedoch zunächst einmal von den neuen Bundesländern zu übernehmen sei. So „lernte“ der Osten, sein von Universität und Fakultät geregeltes Medizinstudium mit einer West-Trias aus ZVS, Landesprüfungsämtern und IMPP zu vertauschen, um ein Jahrzehnt später nun eine nach quälender Übertragung gleichermaßen mit Presswehen und Zange geborene „neue“ AO einzuführen.
Alle von Herrn Schulze angemahnten Probleme in Übergang und Anwendung der neuen AO (Fortfall bewährter Lehrveranstaltungen, Umsetzung des Stundenplanes, Benotung der Scheine, Prüfungswesen, Examensinhalte etc.) harren vielfach noch einer vernünftigen Lösung, die erkennbar besser ist als die siebte AO-Novelle oder alte fachbezogene DDR-Studienpläne. Hervorgehoben sei noch einmal die berechtigte Anfrage des Kommentators zu fünf bis sechs Fachprüfungen am Ende jedes Semesters: Wie soll das gemacht werden, ohne die letzten drei der 14 Semesterwochen mit Prüfungen zuzupflastern? Studenten und Hochschullehrer kennen die Testat- und Klausurbündelung zu Semesterende in ihrer fatalen Auswirkung auf den Unterrichtsbesuch. Das kann bei einer Examensbündelung im laufenden Semester nur noch gravierender werden. Insofern sei an die zweckmäßigen DDR-Prüfungswochen nach Vorlesungsende erinnert, mögen sich in Abwägung von Examensmodus, Semesterferien und Familienurlaub von den Betroffenen in deutschen Landen noch manche Scheingefechte geliefert werden . . .
Prof. Dr. med. Horst Nizze,
Institut für Pathologie der Universität, Strempelstraße 14,
18057 Rostock
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