ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Zervixkarzinom, HPV-Infektion und Screening: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Zervixkarzinom, HPV-Infektion und Screening: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-2021

Klug, Stefanie; Blettner, Maria

zu dem Beitrag von Dr. rer. nat. Stefanie J. Klug Prof. Dr. rer. nat. Maria Blettner in Heft 03/2003
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LNSLNS Wir freuen uns über Hinweise zu spezifischen Aspekten, die in unserem Beitrag nicht im Detail dargestellt werden konnten. Ein zytologisches Screening für das Zervixkarzinom wird in Deutschland seit mehr als 30 Jahren durchgeführt. Trotzdem haben wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine relativ hohe Inzidenz des Zervixkarzinoms zu beklagen.
Der Beitrag von Herrn Dr. V. Schneider stellt einen interessanten Punkt dar. Seinen Kommentar zu der von ihm zitierten schwedischen Studie können wir nicht ganz nachvollziehen. Dieselben Autoren haben im gleichen Jahr eine weitere Arbeit zu dieser Thematik veröffentlicht (1). Hier war im direkten Vergleich von 17 Ländern das Screeningprogramm in Finnland mit einer Reduktion der Zervixkarzinom-Inzidenz um 77 Prozent das erfolgreichste. Deutschland (West) und Deutschland (Ost) lagen auf den Plätzen 9 und 10 dieser Rangfolge. Auch das ist unumstrittenerweise ein beachtlicher Erfolg.
Trotz der starken Reduktion der Zervixkarzinominzidenz in den 1970er-Jahren sollte nicht übersehen werden, dass die Inzidenzraten in Deutschland seit Mitte der 1980er-Jahre nur noch geringfügig gesunken sind (2). Deshalb sollte die medizinische und epidemiologische Forschung in Deutschland offen bleiben für neue Methoden wie die eines HPV-Nachweises, der Dünnschichtzytologie oder neue molekulare Marker. Diese neuen Methoden müssen aber zunächst in einer großen epidemiologischen Studie mit der Zielgröße Reduktion der Inzidenz des Zervixkarzinoms gründlich evaluiert werden. Erst nach Vorlie-
gen solcher evidenzbasierter Daten sollten neue Tests in die von der GKV finanzierte Früherkennungsuntersuchung aufgenommen werden.
Computersimulationen der Kombination eines zytologischen Abstrichs mit einem HPV-Test zeigen im Modell bereits bei zweijährigem Screeningintervall erniedrigte Kosten pro qualitätsadjustiertes Lebensjahr (QALY) (3). Zusätzliches risikoadaptiertes Screening könnte diese Kosten weiter reduzieren. Eine Verlängerung des Screeningintervalls innerhalb eines organisierten Programms sollte zu einer Erhöhung der Teilnahmeraten führen. Bereits heute liegen die Zweijahresteilnahmeraten an der Früherkennungsuntersuchung bei Frauen höher als die jährlichen Teilnahmeraten (persönliche Mitteilung, Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Köln).
Dem Schlusssatz von Falk und Kollegen mit der Forderung nach geeigneten Werbemaßnahmen für die Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung und für ein – zentral koordiniertes und dokumentiertes – Einladungssystem sowie der gleichzeitigen Verbesserung der Abstrichqualität durch systematische Schulung der Untersucher und Qualitätssicherung in den zytologischen Labors, schließen wir uns gerne an. Dies könnte am besten mit einem zentral organisierten Screeningprogramm gewährleistet werden.

Literatur
1. Gustafsson L, Ponten J, Zack M and Adami H-O: International incidence rates of invasive cervical cancer after introduction of cytological screening. Cancer Causes and Control 1997; 8: 755–763.
2. Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und Trends. Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, 3. erweiterte, aktualisierte Ausgabe, Saarbrücken, 2002.
3. Mandelblatt J S, Lawrence W F, Womack S M et al.: Benefits and costs of using HPV testing to screen for cervical cancer. JAMA 2002; 287: 2372–2381.

Dr. rer. nat. Stefanie Klug MPH
Prof. Dr. rer. nat. Maria Blettner
AG3 Epidemiologie und Medizinische Statistik
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Universität Bielefeld
Postfach 100131
33501 Bielefeld

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