ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Therapie der Immunthyreoiditis: Hormongabe schon bei Euthyreose erwägen

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Therapie der Immunthyreoiditis: Hormongabe schon bei Euthyreose erwägen

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): A-2028

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Autoimmunthyreoitiden mit der Folge einer Hypothyreose gehen langfristig mit einem erhöhten Risiko von Störungen im Lipid-Stoffwechsel und kardiovaskulären Erkrankungen einher. Analog zur frühzeitigen Insulingabe bei Diabetes ist es denkbar, auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis durch frühe Intervention mit Schilddrüsenhormon die Destruktion des Drüsengewebes hinauszuschieben – was noch zu beweisen ist.
Während die Hormonsubstitution bei der manifesten Hypothyreose in diesem Zusammenhang gesichert ist, sind schon bei der subklinischen Form mehr Fragen offen, als gesichert zu beantworten sind. Prof. Petra-Maria Schumm-Dräger (München) erläuterte, dass zwar harte Daten zu gesicherten klinischen Endpunkten fehlen; wegen des nicht seltenen Übergangs in die manifeste Form sieht die Endokrinologin die Substitution mit Levothyroxin bei Autoimmunthyreoitiden ab einem Serum-TSH von 4 µE/l, sicher aber ab 10 µE/l als gerechtfertigt an. Bei Kinderwunsch müsse unbedingt der Schwangerschaftsverlauf stabilisiert werden, um ein neurophysiologisches, psychologisches und intellektuelles Entwicklungsdefizit des Kindes zu vermeiden.
Ungeklärt ist dagegen die Frage, ob die Hormontherapie bereits gerechtfertigt ist, wenn eine Autoimmunthyreoiditis mit euthyreoter Stoffwechsellage – positive TPO-Antikörper, typischer Ultraschallbefund, aber normales TSH – vorliegt. Surrogat-Parameter wie Anti-TPO-Antikörper und intrathyreoidale B-lymphozytäre Elemente weisen auf einen protektiven Effekt der frühen Schilddrüsenhormon-Therapie hin, aber harte klinische Daten stehen aus. Ebenso wie Prof. Karl-Michael Derwahl (Berlin) beobachtet die Endokrinologin in diesem Zusammenhang auch die Studien mit Selen, das den Autoimmunprozess ebenfalls zu dämpfen scheine.
Die Experten betonten, dass diese Therapieversuche im Rahmen prospektiver Studien an erfahrenen Zentren vorgenommen werden sollten und keinesfalls unkontrolliert. Derwahl unterstrich die geringe therapeutische Breite von Selen, bei Überdosierung drohen Nieren- und Leberfunktionsstörungen.
Nikotin verschlechtert die Orbitopathie
Sein Münchener Kollege, Prof. Armin Heufelder, sieht dies etwas anders: Im Gespräch meinte er, dass bei täglicher Gabe von 200 µg Selen keine negativen Auswirkungen zu befürchten seien. Wegen der ermutigenden vorläufigen – auch eigenen – Befunde bei der Hashimoto-Schilddrüse sprach sich Heufelder dafür aus, diese neue Therapieform unter fachärztlicher Kontrolle zu nutzen.
Beim Morbus Basedow ist neu, dass die Patienten inzwischen statifiziert werden und bei niedrigem Risiko konservativ medikamentös geführt, bei hohem Risiko jedoch frühzeitig operiert werden. Heufelder wies auf die aggravierende Rolle des Nikotins bei Patienten mit endokriner Orbitopathie hin. Bei starken Rauchern fänden sich häufiger höhergradige, progrediente und therapierefraktäre Verlaufsformen.
Dr. Renate Leinmüller

Wiesbadener Schilddrüsengespräch: „Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse“, Veranstalter: Merck KGaA, Darmstadt
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