ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2003Urlaub vergrätzt – Geld zurück

VARIA: Post scriptum

Urlaub vergrätzt – Geld zurück

Dtsch Arztebl 2003; 100(30): [136]

Ellermann, Bernd

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Zeichnung: Reinhold Löffler
Zeichnung: Reinhold Löffler
Reisezeit – das ist auch die Hoch-Zeit der cleveren Urlaubsfinanzierer: durch erfolgreiches Reklamieren. Wie beispielsweise jener Schiffstourist, der nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt 40 Prozent des Reisepreises einer Kreuzfahrt zurückerhielt – weil auf dem Schiff eine größere Jodlergruppe mitreiste! Und 40 Prozent der Hotelkosten erhielt ein Paar nach einem Urteil des gleichen Gerichts zurück, weil es anstatt eines Doppelbettes mit zwei Einzelbetten vorlieb nehmen musste. Das Mönchengladbacher Amtsgericht entschied in einem ähnlichen Fall aber anders. Der realitätsnahe Richter zum Kläger: „Sie hätten ja nur die Betten zusammenstellen können, um negative Auswirkungen auf Ihr Liebesleben zu vermeiden. Notfalls hätten Sie mit Ihrem Gürtel, den Sie ja gerade nicht brauchten, die Betten zusammenbinden können.“ Klage abgelehnt!
Meist gibt es aber was, wenn man den Dreh kennt – zum Beispiel die „Frankfurter Tabelle“, die haarklein auflistet, was man bei bestimmten Mängeln zurückfordern kann. Deshalb hat der clevere Pauschaltourist wichtige Utensilien im Reisegepäck:
l eine Digitalkamera (um zum Beispiel verschmutzte Tische zu fotografieren – fünf bis zehn Prozent zurück),
l ein Aufnahmegerät (um Nachtlärm zu dokumentieren – bis 40 Prozent retour),
l verschließbares Glas (um Ungeziefer zu sammeln – fünf Prozent weniger bei mehr als sechs Kakerlaken, 25 Prozent bei einer Ameisenstraße an der Bettkante),
l Maßband (um die Strandentfernung exakt zu erfassen – fünf Prozent zurück bei falschen Angaben).
Nicht zu vergessen: Ein Laptop ermöglicht ein Beschwerdeprotokoll mit Zeugenaussagen an Ort und Stelle. Wenn der zugesagte FKK-Strand fehlt (zehn bis 20 Prozent Rückzahlung) oder der Reiseleiter kein Deutsch spricht (20 Prozent weniger), dann muss man das ja auch beweisen können. Bloßes Beschweren im Nachhinein hilft wenig, die Gründe müssen eindeutig sein. Eine Touristin empörte sich mal bei TUI: „Auf 24 Damen kam nur ein Reiseleiter!“
Pech hatte allerdings der Pauschalurlauber aus Hamburg auf Sri Lanka. Er beschwerte sich bei seinem Reisebüro über unerträglichen Nachtlärm. Wie es sich aber herausstellte, war es nur das Meeresrauschen . . .
Bernd Ellermann
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