ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2003Bayerische Hausärzte: Kritik an den Körperschaften

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Bayerische Hausärzte: Kritik an den Körperschaften

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2046

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Dr. med.Wolfgang Hoppenthaller Foto: Bernhard Eifrig
Dr. med.Wolfgang Hoppenthaller Foto: Bernhard Eifrig
Hoppenthaller wirft Kammern und KVen Vernachlässigung von Hausarztinteressen vor.

Die Hausärzte sollten in Zukunft mit einem Vertreter im Vorstand der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) repräsentiert sein, kündigte BÄK-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe auf dem Bayerischen Hausärztetag in Offenberg (18. bis 19. Juli) an. Hoppe gab damit Überlegungen wieder, die in der BÄK beim jüngsten Deutschen Ärztetag diskutiert wurden, bisher aber noch nicht abgeschlossen sind. Hoppe reagierte damit auf die Kritik des Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbands, Dr. Wolfgang Hoppenthaller, am Ausgang der Wahl zum BÄK-Vorstand im Mai dieses Jahres, bei der kein Vertreter der Hausärzte gewählt worden war.
Der bayerische Hausärzte-Vorsitzende nahm das Signal zwar positiv auf, machte aber deutlich, dass seiner Meinung nach „eigentlich drei Vorstandsposten bei der Bundes­ärzte­kammer regelhaft von Hausärzten besetzt werden müssten“. Hoppenthaller übte zudem grundsätzliche Kritik an der Politik der ärztlichen Körperschaften. Ein wesentlicher Teil der aktuellen gesundheitspolitischen Vorhaben der Regierung sei die Antwort auf die Ineffektivität der eigenen Körperschaften.
Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern hätten die hausärztliche Versorgungsebene lange Jahre im Abseits gehalten. Es habe 25 Jahre gedauert, bis die Weiterbildung zum Allgemeinarzt Voraussetzung für die sozialrechtliche Tätigkeit als Hausarzt wurde. Auch die Honorar- und Strukturpolitik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Kassenärztlichen Vereinigungen sei gegen die hausärztlichen Interessen gerichtet gewesen. Bei der Einführung der Chipkarte habe man der „goldenen Patientenfreiheit“ das Wort geredet und damit den Hausarzt an den Rand der ambulanten ärztlichen Versorgung gedrängt.
Neue Berechnungen der KV Bayerns belegten das Ausmaß der durch „Doppeluntersuchungen und unkontrollierbaren Arzneiverordnungen“ verursachten Kosten. Danach suchen in Bayern pro Quartal 1,6 Prozent der Patienten sieben und mehr Ärzte auf. Für diese Patienten entstünden Honorarkosten von 356 Millionen Euro (auf den Bund hochgerechnet 2,38 Milliarden Euro) sowie Arzneimittelkosten von 150 Millionen Euro (Bund: eine Milliarde Euro). Auch der sich abzeichnende Hausärzte-Mangel sei „ein hausgemachtes Problem unserer Körperschaften“. Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel der KV Bayerns. Hier habe sich eine faire und konstruktive Partnerschaft zwischen Haus- und Fachärzten entwickelt, die zu einem Konsens für ein hausarztzentriertes Versorgungssystem geführt habe.
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