ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2003Internet: Rechtsextreme zunehmend online aktiv

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Internet: Rechtsextreme zunehmend online aktiv

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2048 / B-1702 / C-1606

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Foto: Caro/Meyerbroeker
Foto: Caro/Meyerbroeker
Jahresbericht zu Rechtsextremismus im Internet gibt Anlass zu Besorgnis.
Rechtsextreme sind immer häufiger im Internet aktiv. So stieg die Zahl der von deutschen Rechtsextremisten betriebenen Homepages von 330 im Jahr 1999 auf rund 1 000 im Jahr 2002 an. Nach Meinung von Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), ist die Tendenz besorgniserregend: „Websites mit rechtsextremem Inhalt werden attraktiver gestaltet und professioneller.“ Bedenklich sei außerdem, dass sich Rechtsextreme zunehmend über das Internet koordinierten.
Der Jahresbericht 2002 „Rechtsextremismus im Internet“ (www.bmfsfj.de/Anlage24348/Jahresbericht_2002.pdf) gibt Auskunft über das Ausmaß der rechtsextremen Web-Propaganda und stellt medienpädagogische Konzepte für Jugendliche und Erziehende vor. Das Projekt wird von jugendschutz.net, der von den Jugendministerien der Länder eingerichteten staatlichen Stelle für die Beachtung des
Jugendschutzes, durchgeführt und vom BMFSFJ gefördert.
Viele rechtsextreme Internet-Seiten greifen aktuelle Probleme auf, wie zum Beispiel die Sozialreformen. Die Mischung aus Aktualität der Themen, radikaler Kritik am System, medial ansprechender Präsentation und Kontaktangeboten macht die Brisanz dieser Websites aus. Neu ist die Zunahme von Web-Auftritten rechtsextremer Gruppierungen mit regionalem Bezug, die das Internet zur Werbung für lokale Aktivitäten nutzen. Hier sprechen Rechtsextreme gezielt interessierte Jugendliche an, um sie als Nachwuchs zu gewinnen.
Rechtsextreme sind im Internet darüber hinaus häufig dort präsent, wo sich Kinder und Jugendliche bewegen. So fanden sich 2002 auf einer von jungen Menschen stark frequentierten Kommunikations-
plattform („uboot“) zahlreiche rechtsextreme Nutzer-Profile. Auch die Internet-Recherche von Jugendlichen zum Thema Nationalsozialismus, zum Beispiel für ein Schulreferat, kann auf Websites aus dem rechtsextremen Spektrum führen. Oft werden auf diesen Seiten geschichtsverfälschende Informationen mit einem pseudowissenschaftlichen Anstrich verbreitet.
jugendschutz.net initiiert Maßnahmen, Neonazis im Internet im In- und Ausland die Plattform zu entziehen. 2002 wurden durch das Projekt 784 neue rechtsextreme Internet-Adressen entdeckt. 354 enthielten strafbare Inhalte; 173 konnten aus dem Internet entfernt werden. Zusätzlich beteiligt sich die Organisation an einem internationalen Verbund gegen Rassismus im Internet. Das International Network Against Cyber-Hate (INACH, www.inach.net) vernetzt antirassistische Organisationen aus Europa, um grenzüberschreitende Lösungsansätze gegen rassistische Propaganda zu entwickeln und Aktivitäten zu bündeln.
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