ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2003Morbus Parkinson: Den Verlust dopaminerger Neuronen sichtbar machen

POLITIK: Medizinreport

Morbus Parkinson: Den Verlust dopaminerger Neuronen sichtbar machen

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2056 / B-1710 / C-1614

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Ein radioaktiv markierter Dopamin-Ligand erlaubt, den
postsynaptischen Rezeptor-Status qualitativ darzustellen.

Die Parkinson-Krankheit ist hauptsächlich durch vier klinische Zeichen definiert: Akinese, Rigor, Tremor und gestörte Haltereflexe. Die Progression der Krankheit ist ein weiteres Charakteristikum. Unter Akinese versteht man eine Verlangsamung der Bewegungen, der Rigor steht für den zunehmenden Muskeltonus der Patienten, und beim Tremor handelt es sich um einen Ruhetremor. Ursache dieser klinischen Symptome ist der Verlust pigmentierter Zellen in der Substantia nigra. Die Axone dieser Neuronen verlaufen in das Corpus striatum. Hier wird über präsynaptisch lokalisierte Dopaminrezeptoren der Neurotransmitter Dopamin durch den synaptischen Spalt transportiert. Auf der postsynaptischen Seite bindet dann das Dopamin an die D2-Rezeptoren.
Bei der Parkinson-Krankheit ist der präsynaptische Teil der Signalübertragung von den degenerativen Prozessen betroffen. Dieses Defizit lässt sich nun bildlich darstellen und diagnostisch nutzen. Die Untersuchung kann mit dem einfach zu handhabenden DaTSCANTM in den meisten nuklearmedizinischen Praxen durchgeführt werden.
Der bei DaTSCAN eingesetzte Ligand für die Dopamintransporter (DaT) sei Jod-123-Ioflupan, das mithilfe der Single-Photonen-Computer-Emissions-Tomographie (SPECT) erfasst werden könne und eine gute Quantifizierung der dopaminergen Neuronen erlaube, berichtete Prof. Johannes Schwarz (Leipzig). Mit diesem bildgebenden Verfahren wird die Dichte der DaT im präsynaptischen Anteil dargestellt. DaTSCAN (123J FP-CIT) sollte in erster Linie der Differenzierung zwi-schen essenziellem Tremor und dem Parkinson-Syndrom dienen. Das Verfahren vermag aber nicht zwischen Morbus Parkinson, Multi-System-Atrophie (MSA) oder progressiver supranukleärer Blickparese (PSP) unterscheiden. Dazu muss die Szintigraphie mit IBZM eingesetzt werden. Durch die Verwendung des radioaktiv markierten Dopamin-Liganden Iodobenzamid (IBZM) erlaubt die SPECT-Untersuchung eine quantitative Darstellung des postsynaptischen DopaminrezeptorStatus. Dieser ist in der Regel bei MSA und PSP, nicht aber bei Morbus Parkinson pathologisch verändert.
Für die Hirnszintigraphie mit DaTSCAN erhält der Patient zunächst 30 Tropfen Irenat, um die Schilddrüse zu schützen. Dann wird eine kleine Menge Ioflupan injiziert. Die radioaktiv markierte Substanz reichert sich im Laufe von zwei Stunden im Corpus striatum an. Danach können die Szintigramme angefertigt werden. Kontraindiziert ist das Verfahren in der Schwangerschaft, bei stillenden Müttern und bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegen Jod. Als unerwünschte Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Appetitzunahme und – in noch selteneren Fällen – Kribbeln auf der Haut auftreten.
Das DaTSCAN-Verfahren habe sich als spezifisch, objektiv und unabhängig von dopaminerger Stimulation erwiesen, betonte Prof. Wolfgang H. Oertel (Universität Marburg). Der Verlust an präsynaptischen Dopamintransportern könne damit sehr sensitiv dargestellt werden. Das Verfahren eigne sich zur Früherkennung des idiopathischen Parkinson-Syndroms und anderer neurodegenerativer Erkrankungen mit nicht eindeutigem klinischen Befund. „Es hat bereits einen sehr hohen diagnostischen Stellenwert erreicht“, betonte Oertel. Die Kosten für eine Untersuchung belaufen sich auf rund 1 000 Euro. Siegfried Hoc

Symposium „Bildgebende Diagnostik bei Morbus Parkinson: Entbehrlich oder essenziell?“ der Amersham Buchler GmbH im Rahmen des 3. Deutschen Parkinsonkongresses in Dresden

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