ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1996Ärzte gedenken jüdischer NS-Opfer

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Ärzte gedenken jüdischer NS-Opfer

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LNSLNS STRASSBURG. Mit einer gemeinsamen Feier auf dem jüdischen Friedhof in Straßburg haben mehr als fünfzig deutsche und französische Ärzte Ende Oktober an die Opfer von NS-Menschenversuchen und an die Verstrickung vieler deutscher Ärzte in die Nazi-Verbrechen erinnert.
Auf dem Friedhof sind in einem Massengrab 86 Opfer des Arztes August Hirt beerdigt. Sie waren 1943 aus dem Konzentrationslager Auschwitz für Menschenversuche in das von Deutschland annektierte Straßburg gebracht worden. Hirt, Professor für Anatomie an der damaligen Reichsuniversität, habe diese Menschen unsäglichen Qualen ausgesetzt. Anschließend seien sie im Konzentrationslager Struthof bei Straßburg vergast worden.
Hirts Verbrechen, die 1946 Gegenstand des Nürnberger Ärzteprozesses waren, zeugten vom "unfaßbaren moralischen Versagen der deutschen Ärzteschaft", sagte der Medizinhistoriker Richard Toellner von der Universität Münster. Die Ärzte müßten sich immer wieder die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte, und die Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Gerade die deutschen Ärzte müßten auch eindringlich vor "eugenischen Tendenzen" der modernen Gentechnologie warnen.
Zu der Gedenkfeier hatte die Vereinigung der "Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs" aufgerufen. afp
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