BRIEFE

PKV: Irreführung

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2068 / B-1722 / C-1626

Kleinken, Bernhard

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LNSLNS Auch in Ihrem sehr sachlichen Beitrag wird die gebetsmühlenartig vorgetragene Behauptung der PKV zitiert, „überproportionale“ Steigerungen bei den Ausgaben für ambulante Arztbehandlung seien nur durch Kompensation enger werdender GKV-Finanzierungsspielräume durch steigende Forderungen bei Privatpatienten zu erklären.
Das darf u. E. nicht unwidersprochen bleiben, denn wozu die geforderte Reform der Gebührenordnung (GOÄ) im Wesentlichen dienen soll, hat die PKV in der Ärzte Zeitung vom 12. Juni 2003 (dort „PKV will Ärzten stärker auf die Finger schauen“) deutlich gesagt: mit Unterstützung der Bundesländer eine Absenkung des Honorarniveaus der Ärzte herbeizuführen.
Um dies politisch zu unterstützen, scheut sich die PKV nicht, den budgetierten GKV-Bereich (der auch nicht ohne Kostensteigerung in der ambulanten Arztbehandlung blieb) zum Maßstab der Ausgabensteigerung zu machen. Das heißt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen: budgetierte, suboptimale Versorgung mit vielen, von Ärzten ohne Honorar erbrachten Leistungen mit unbudgetierter, (noch) am Stand der Medizin und den Bedürfnissen des Patienten ausgerichteter Versorgung.
Außer dieser (bewussten?) Irreführung arbeitet die PKV mit Zahlenangaben, die aus unserer Sicht nicht zutreffend sind. Eigene Statistiken z. B. der PVS Mülheim/Ruhr zeigen für die Jahre 2001/ 2002 einen Anstieg von nur 1,5 % des durchschnittlichen Honorars je ambulanter Arztrechnung, dies ermittelt aus mehr als 1 Mio. Arztrechnungen und bereinigt um Fluktuationen (nur Ärzte berücksichtigt, die im gesamten Zeitraum mit der PVS abrechneten).
Die Ursachen für den Ausgabenanstieg der PKV im ambulanten Bereich müssen – soweit die Zahlen stimmen – folglich woanders liegen als
in „verständlicher Kompensation“. Vielleicht in der demographischen Entwicklung und in den Kosten des medizinischen Fortschritts, von dem Privatversicherte ja (noch) profitieren können – so lange, bis die PKV geschafft hat, sich der GKV anzugleichen.
Dr. med. Bernhard Kleinken,
PVS-Servicestelle, Eupener Straße 157/159, 50933 Köln
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