ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2003Privatstation: Nicht gerade üppig

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Privatstation: Nicht gerade üppig

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2069 / B-1723 / C-1627

Piper, Jörg

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LNSLNS . . . Arztvisiten sind grundsätzlich nur berechnungsfähig, wenn sie vom Chefarzt oder dem ihn vertretenden Oberarzt persönlich durchgeführt werden. Der 3,5fache Satz der GOÄ ist nur dann veranschlagbar, wenn die ärztliche Leistung vom Chefarzt oder seinem Vertreter persönlich erbracht wird. Die Sauerstoffsättigung kann selbstverständlich auch dann vom Chefarzt berechnet werden, wenn sie von einem nachgeordneten Mitarbeiter durchgeführt wird. Allerdings hat auch eine Sauerstoffsättigungsmessung medizinisch begründet zu sein. Eine tägliche Durchführung und Abrechnung dieser Leistung ohne gegebene Indikation würde, da schlechterdings unsinnig, von keinem Kostenträger akzeptiert werden. Schwellenwertüberschreitungen, z. B. Veranschlagungen des 3,5fachen Satzes, begründen sich nicht darin, dass der liquidierende Arzt „schließlich der Chef“ ist, sondern begründen sich auf den Einzelfall, bezogen auf erhöhte Schwierigkeiten oder besondere Umstände der Leistungserbringung.
Grundsätzlich hat der Chefarzt ärztlichen Mitarbeitern eine angemessene Liquidationsbeteiligung zu gewähren, wenn er bestimmte Leistungen an die Mitarbeiter delegiert, anstatt sie selbst auszuführen. Dies ist bereits in der ärztlichen Berufsordnung so verankert. Im Bereich der Akut-Krankenhäuser sind zudem Poolbeteiligungen gesetzlich geregelt und somit unabhängig vom „Rat des Steuerberaters“. Wenn keine Poolregelungen existieren, z. B. bei vielen Privatkrankenanstalten, greift alternativ die erwähnte einzelleistungsbezogene Liquidationsbeteiligung der an der Behandlung beteiligten nachgeordneten Ärzte.
Weiterhin ist journalistisch unredlich, wenn dem Leser suggeriert wird, ein Chefarzt könne irgendwelche Verrichtungen gegen den Patientenwillen durchführen; denn es bestimmt nicht ausschließlich der Chefarzt, sondern auch der aufzuklärende Patient selbst, welche Maßnahmen zur Gesundung durchzuführen sind.
Dass andererseits jede klinische Einrichtung vor der existenziellen Notwendigkeit stehen dürfte, auch die speziellen Bedürfnisse einer Privatklientel zu befriedigen, stellt eine Binsenweisheit dar, welche jeder mit den aktuellen Problemen unseres Gesundheitswesens Vertraute beherzigen sollte. Die Akquisition auch privat versicherter Patientenklientel leistet folglich nicht nur einen Beitrag zur Sicherung des chefärztlichen Arbeitsplatzes, sondern auch zur Sicherung des Arbeitsplatzes des „armen Peter“. Im Übrigen sind die Grundgehälter vieler Chefärzte in Relation zu Qualifikation und Verantwortungsumfang bei Gegenüberstellung zu vergleichbaren Positionen in anderen Branchen nicht gerade üppig dimensioniert, sodass in diesen Fällen die Zusatzeinnahmen durch Privatbehandlungen einen legitimen Ausgleich schaffen . . .
Dr. med. Jörg Piper,
RehaZentrum Mittelmosel, Am Römerkessel 1, 56864 Bad Bertrich
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