ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2003Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen: Auch ältere Menschen sind betroffen

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Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen: Auch ältere Menschen sind betroffen

Dtsch Arztebl 2003; 100(31-32): A-2098

Vetter, Christine

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LNSLNS Chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen (CED) wie die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn gelten in der Regel als Erkrankung Jugendlicher oder junger Erwachsener. Tatsächlich aber muss man mit dieser Erkrankung zunehmend auch bei älteren Menschen rechnen. Dann aber sind Besonderheiten bei der Diagnostik wie auch der Therapie zu beachten.
Wenn ältere Menschen über gastrointestinale Symptome klagen, sollte man daher auch an eine CED denken, sagte Dr. Christian Folwaczny (München). Denn sowohl für den Morbus Crohn als auch für die Colitis ulcerosa sei wiederholt ein bimodales Verteilungsmuster beschrieben worden. Der erste Krankheitsgipfel liege demnach zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr, jedoch gebe es einen zweiten Krankheitsgipfel mit einer Manifestation der Störung jenseits des 50. Lebensjahres.
In den bisher publizierten Studien beträgt der mittlere Anteil älterer Patienten bei der Colitis ulcerosa nach Angaben von Folwaczny zwölf Prozent und beim Morbus Crohn sogar 16 Prozent. „Die Inzidenz chronisch entzündlicher Erkrankungen bei über 50-Jährigen scheint deutlich höher zu sein, als in den ersten Publikationen zu diesem Thema beschrieben wurde.“ In Deutschland fehlen epidemiologische Daten zu dieser Fragestellung, die zitierten Zahlen stammen aus den USA.
Bei der Differenzialdiagnostik sei bei Senioren an eine Divertikulitis, eine ischämische Colitis sowie eine NSAR-induzierte Colitis zu denken. Erschwerend komme hinzu, dass die CED bei den älteren Patienten oft etwas anders verlaufe als bei jungen Menschen. So zeige sich bei der Colitis ulcerosa häufiger ein distaler Befall, und die Erkrankung nehme meist einen schwierigeren Verlauf. Auch dauere der erste Schub im Allgemeinen länger als bei jungen Patienten; es seien häufigere und schwerere Rezidive zu registrieren. Treten extraintestinale Manifestationen auf, so beträfen diese bevorzugt die Leber sowie die Gelenke, Haut und Schleimhaut seien dagegen seltener involviert, erklärte Folwaczny.
Top down statt Step up?
Beim Morbus Crohn sei auffällig, dass die Erkrankung
im Alter anders als bei jungen Erwachsenen meist kaum Bauchschmerzen verursacht, was die Diagnosestellung ebenfalls erschweren kann. Es gibt Beobachtungen, dass der Morbus Crohn sich bei älteren Patienten häufig auf das Kolon beschränkt. Als erfreulich nannte er, dass die Diagnose schneller gestellt wird als bei jungen Patienten.
Auch bei der Therapie gibt es nach Angaben Folwacznys Besonderheiten zu berücksichtigen, wenn sich eine CED jenseits des 50. Lebensjahres manifestiert. Speziell Kortikoide sollten dann nur zurückhaltend verordnet werden, da nicht selten Multimorbidität besteht, und das unter Umständen mit Erkrankungen, die eine Steroidbehandlung verbieten – wie Osteoporose, Hypertonus, Diabetes mellitus, Glaukom oder Katarakt. Die Steroidtherapie trete daher in den Hintergrund, während Immunsuppressiva wie das Azathioprin therapeutisch an Bedeutung gewinnen.
Auch unabhängig vom Alter könnten sich künftig die Therapiekonzepte bei den CED wandeln. Da ein großer Teil der Patienten mit der herkömmlichen Behandlungsstrategie nach dem Step-up-Prinzip nicht erfolgreich behandelt werden kann, schlug Prof. Stephan Schreiber (Kiel) alternativ eine Top-down-Strategie vor. Danach soll initial nicht wie bisher mit Mesalazin begonnen werden, sondern direkt mit einem Steroid oder einem Immunsuppressivum. „Mit der herkömmlichen Strategie laufen wir der Erkrankung stets hinterher“, erklärte Schreiber.
Das aggressivere Vorgehen, das in der Rheumatologie bereits üblich sei, habe den Vorteil, wahrscheinlich rasch zu einer Mukosaheilung zu führen und damit den weiteren Krankheitsverlauf aufzuhalten. Jedoch fehlen noch prospektive Studien zu dieser Strategie. Christine Vetter
Bericht zum 14. Interdisziplinären Symposium über chronisch entzündliche Darm­er­krank­ungen beim 109. Kongress für Innere Medizin in Wiesbaden, Veranstalter: Falk Foundation e.V.
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