ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2003Gesundheitsreform: Einzelverträge vom Tisch

EDITORIAL

Gesundheitsreform: Einzelverträge vom Tisch

PP 2, Ausgabe August 2003, Seite 337

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Eckpunkte der Konsensverhandlungen zur Gesundheitsreform haben in den vergangenen Wochen bereits für Aufregung gesorgt (siehe auch Artikel auf den Seiten 343 bis 345). Einiges ist anders gekommen, als vorher erwartet oder befürchtet wurde – auch wenn viele Punkte noch der Konkretisierung bedürfen.
Die gute Nachricht zuerst: Der ursprüngliche Entwurf zum Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz sah Einzelverträge für alle neu zur Versorgung zugelassenen Fachärzte vor. Die fachärztliche Versorgung sollte aus dem Kollektivvertragssystem der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ausgegliedert werden. Die Psychologischen Psychotherapeuten wurden in der letzten Version des Entwurfes zwar den im Kollektivvertragssystem verbleibenden Hausärzten zugerechnet. Jetzt ist jedoch die „drohende Spaltung der Ärzteschaft“, wie der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, betonte, vom Tisch. Auch der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Detlev Kommer, ist „sehr erleichtert“, dass die fachärztliche Versorgung bei den KVen bleibt. „Marktähnliche Strukturen“, wie bei Einzelverträgen mit den Krankenkassen befürchtet, hätten nichts Gutes für die Psychotherapeuten bedeutet.
War vor den Konsensverhandlungen noch von einer Praxisgebühr in Höhe von 15 Euro bei Facharztbesuchen die Rede, haben sich die Parteien jetzt auf 10 Euro Zuzahlung je Quartal und Behandlungsfall beim Besuch aller Ärzte und Zahnärzte geeinigt. Bei Überweisung entfällt diese Zuzahlung. Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden in dem Konsenspapier nicht ausdrücklich erwähnt, doch Kommer geht davon aus, dass die Regelung auch für sie gilt. Er hofft allerdings, dass die fehlende Erwähnung „nichts mit einer marginalen Rolle“ zu tun habe, die Psychotherapeuten in den Köpfen der Politiker eventuell nur spielen. Viele Fragen sind offen, beispielsweise was die Formulierung „je Behandlungsfall“ bedeutet. Etwa für jede neue Erkrankung in einem Quartal? Unklar ist auch, wer die Praxisgebühr einziehen soll.
Die Krankenkassen werden in den Eckpunkten verpflichtet, „flächendeckend hausarztzentrierte Versorgungsformen“ anzubieten. Die Inanspruchnahme soll für die Versicherten freiwillig sein. Wegen der günstigeren Hausarzttarife werden einige dieses System wählen. Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer befürchtet dabei eine „Mangelversorgung“ psychisch kranker Patienten. Denn immer noch werden psychische Störungen oftmals nicht erkannt, wenn Hausärzte nicht speziell fortgebildet sind. Auch wenn die psychische Störung erkannt wird, sei nicht gewährleistet, dass eine Überweisung an Psychologische Psychotherapeuten vorgenommen werde, sagte Kommer. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Petra Bühring
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