ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2003Medikamentensucht: Verantwortung der Ärzte

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Medikamentensucht: Verantwortung der Ärzte

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Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Medikamenten. Foto: phalanx
Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Medikamenten. Foto: phalanx
Suchtpotenzial von Benzodiazepinen berücksichtigen
Medikamentensucht ist mit 1,4 Millionen Abhängigen in Deutschland die zweithäufigste Suchterkrankung nach der Alkoholsucht. Diese „stille Sucht“, die weit weniger Aufmerksamkeit erhält als Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, sei in den meisten Fällen durch die Verordnung von Ärzten oder die Beratung in Apotheken ausgelöst worden, erklärte Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske, Leiter der Arzneimittelversorgungsforschung am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen. Beim 16. Bundeskongress des Fachverbandes Sucht in Heidelberg wies er darauf hin, dass sechs bis acht Prozent der 1,66 Milliarden Packungen Arzneimittel, die jährlich verkauft werden (Stand 2001), ein bekanntes Sucht- oder Missbrauchspotenzial haben. Dies sind vor allem Benzodiazepine. Kurzfristig eingenommen seien diese Mittel zwar als Schlafmittel, gegen Angst und Panikattacken oder zur Muskelentspannung vor Operationen unverzichtbar. Eine Verordnung über zwei bis drei Monate hinaus führe aber zur Gewöhnung und zu Absetzerscheinungen – oftmals der Grund für eine Weiterverordnung, damit die Entzugssymptome nicht auftreten. Andere Arzneimittel, die abhängig machen können, sind Schmerz- und Migränemittel, die Codein enthalten. Da all diese Mittel verschreibungspflichtig sind, „kommt den Ärzten eine besondere Verantwortung zu, die ,Nebenwirkung‘ Sucht zu berücksichtigen“, betonte Glaeske.
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