ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Jahressteuergesetz 1996: Neuregelungen für das häusliche Arbeitszimmer

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Jahressteuergesetz 1996: Neuregelungen für das häusliche Arbeitszimmer

Büser, Wolfgang

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LNSLNS Während Steuerzahler bisher ihre ganze Überzeugungskraft in die Waagschale werfen mußten, um das Finanzamt davon zu überzeugen, daß sie in der eigenen Wohnung ein "häusliches Arbeitszimmer" eingerichtet hatten, so wird sich das vom Jahreswechsel 1995/96 an grundlegend ändern. Denn dann kann es steuerlich günstiger sein, kein Arbeitszimmer zu haben.
Der Grund: Ist ein Raum als häusliches Arbeitszimmer steuerlich anerkannt, dann kann der Abzug der Aufwendungen dafür auf 2 400 DM pro Jahr beschränkt sein. Wenn sie überhaupt anerkannt werden. Denn das "Ja" des Finanzamts ist – von Ausnahmen abgesehen, etwa bei Heimarbeit – künftig meistens davon abhängig, daß nachgewiesen werden kann, daß mehr als die Hälfte der gesamten beruflichen und betrieblichen Arbeitszeit im Arbeitszimmer zu Hause verbracht wird. Und in die Höchstsumme von 2 400 DM ist auch die "Ausstattung" des Zimmers einbezogen, beispielsweise der Schreibtisch, der auf zehn Jahre "abgeschrieben" wird.
Arbeitet ein Arbeitnehmer (oder Geschäftsmann) aber zu Hause, ohne dies in einem steuerlich anerkannten häuslichen Arbeitszimmer zu tun, hat er sich also nur die Ecke des Wohn- oder Schlafzimmers dafür ausgesucht oder nutzt er sein Arbeitszimmer auch privat, so kann er seine beruflich benötigten Einrichtungsgegenstände als "Arbeitsmittel" nach wie vor mit dem Finanzamt abrechnen. Und dazu gehören neben Computer, Schreibmaschine und sonstigen Schreibutensilien auch die Gegenstände, die im allgemeinen zur "Ausstattung" des Arbeitszimmers gehören, beispielsweise Schreibtisch und Schrank, Sessel (Stuhl) und Papierkorb. Die Aufwendungen dafür können – verteilt auf die Nutzungsdauer – unbeschränkt geltend gemacht werden.
Richtet sich also ein Steuerzahler in einem "Durchgangszimmer" (oder sonstwo in der Wohnung) einen "häuslichen Arbeitsplatz" ziemlich aufwendig ein, so kann es leicht sein, daß er an Aufwand pro Jahr mehr als 2 400 DM geltend machen kann – als "Lohn" dafür, daß er kein "häusliches Arbeitszimmer" (mehr) hat. Wer diese neue Chance nutzen will, der muß demnach künftig gegenüber dem Finanzamt anders argumentieren. Die Finanzbeamten wiederum könnten in solchen Fällen eher als bisher auf die Idee kommen, Arbeitszimmer "anzuerkennen".
Wichtig in diesem Zusammenhang: Die beruflich erforderlichen Arbeitsmittel müssen stets steuerlich anerkannt werden – unabhängig von der neuen Regel, daß mehr als 50 Prozent der gesamten Arbeitszeit "zu Hause" verbracht werden muß. Unterm Strich wird die durch das Jahressteuergesetz vorgesehene Neuregelung also weniger schmerzhaft für die Betroffenen ausfallen, als das auf den ersten Blick aussieht.
Wolfgang Büser
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