ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2003Epidemiologie: Erstaunliches Ergebnis

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Epidemiologie: Erstaunliches Ergebnis

PP 2, Ausgabe August 2003, Seite 361

Dören, Martina

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LNSLNS Ist es erstaunlich, dass in einem in Deutschland ansässigen pharmazeutischen Unternehmen eine so genannte Kohortenstudie zur Frauengesundheit finanziert wird, die offenkundig dazu dienen soll, Risiken von Arzneimitteln, in diesem Fall hormonale Kontrazeptiva, kleiner darzustellen als sie sind? Offenbar war das Brustkrebsrisiko um 40 % gesenkt, ein erstaunliches Ergebnis. Die derzeit sowohl umfangreichste und immer noch aktuellste, maßgebliche wissenschaftliche Bewertung von 54 Kohorten- und Fall-kontrollstudien weltweit zur Beurteilung des relativen Risikos für Brustkrebs durch (langfristige) Anwendung von hormonalen Kontrazeptiva zeigt ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko, wenn Antibabypillen derzeit oder im Zeitraum der letzten zehn Jahre eingenommen werden (1).
Es ist das Verdienst des British Medical Journal, auf den Umstand hingewiesen zu haben, dass Studien, die von pharmazeutischen Firmen gesponsert werden, eher positive Ergebnisse für Pharmaka hervorbringen, verglichen mit Studien, die nicht von einem Pharma-Unternehmen finanziert wurden (2, 3); für das Thromboserisiko unter Antibabypillen ist dies bei einer Bewertung epidemiologischer Studien gezeigt worden (4).
Ich finde es überfällig, so wichtige Fragen wie den Zusammenhang zwischen Hormonanwendung und Krebs in Forschungsprojekten in Deutschland zu untersuchen, aber bitte durch öffentliche Förderung nach Beurteilung von Projektanträgen, die einem internationalen peer review, gerade des Studiendesigns, unterliegen.

Literatur

1. Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Breast cancer and hormonal contraceptives: collaborative reanalysis of individual data on 53 297 women with breast cancer and 100 239 without breast cancer from 54 epidemiological studies. Lancet 1996; 347: 1713–27.
2. Lexchin J et al. Pharmaceutical industry sponsorship and research out-
come and quality: systematic review. BMJ 2003; 326: 1167–70.
3. Melander H et al. Evidence b(i)ased medicine – selective reporting from studies sponsored by pharmaceutical industry: review of studies in new drug applications.
4. Kemmeren JM et al. Third generation oral contraceptives and risk of venous thrombosis: a meta-analysis. BMJ 2001; 323: 131–4.

Prof. Dr. med. Martina Dören, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Klinisches Forschungszentrum Frauengesundheit, 12200 Berlin
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