ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2003Gesundheitsreform: Offenbarungseid

BRIEFE

Gesundheitsreform: Offenbarungseid

Dtsch Arztebl 2003; 100(33): A-2148 / B-1789 / C-1693

Saueressig, Udo

Zu den Verhandlungen über die so genannte Gesundheitsreform („Eckpunkte“):
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ulla Schmidt fordert die Ärzte auf, sich den Personalausweis zeigen zu lassen vom Patienten zur Kontrolle der Chipkarte. Das ist vollkommen idiotisch und undurch-führbar. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie wenig Politiker Ahnung haben vom Geschehen in Arztpraxen, wäre er jetzt voll erbracht. Schon lange ist der Offenbarungseid eindeutig, wir Ärzte ignorieren bzw. verdrängen diese Tatsache, wir spielen, in Gestalt unserer Funktionäre, fröhlich das böse Spiel mit. Momentan ist geplant, die spezialisierten Niedergelassenen fertig zu machen. Die Hausärzte schauen zu, anscheinend in dem Gefühl, uns trifft es ja nicht, und zudem haben die Spezialisten uns jahrelang hängen lassen. Die künftige Mehrarbeit für die Hausärzte, wenn der direkte Zugang zum Spezialisten Gebühr kostet, wird übrigens zum Nulltarif erbracht, von Aufwertung des Hausarztes keine Spur. Nach den Spezialisten werden wir dann abgemeiert, Barfußärzte, „richtige“ Medizin nur im kassenorganisierten Gesundheitszentrum am Krankenhaus (angestellte Ärzte).
Das wahre Problem ist die mangelnde Koordination der Behandlung, die fehlende Individualisierung, das rechte Maß und das gute therapeutische Bündnis, jeder Arzt kann diese Funktion übernehmen.
Die jetzt gebildete Kommission aus SPD, Grünen, CDU/ CSU und FDP wird nur Unsinn beschließen, eine grundlegende Reform kommt nicht.
Was wir bräuchten: Koordinator für jeden Patienten, bestehende Fortbildungspunkt-systeme zur Pflicht machen und Institut für die Qualität in der Medizin streichen, Gebührenordnung in Euro für ärztliche Tätigkeit unter Wegfall der EBM-Töpfe-Punktwert-Idiotie einschließlich EBM 2000plus (Raumschiff Orion lässt grüßen!), KV macht Inkasso und wird mit der Kammer verschmolzen, neue KV/Kammer (Leitung Profis, keine Amateure/ Funktionäre) nimmt kurzfristig Entrümpelung der Bürokratie um mindestens 50 % vor, keine Prüforgien/Ärzteeinschüchterungen mehr durch Einführung klarer Regeln, flächendeckendes Pflicht-Hintergrund-Notdienstsystem jede Nacht, und damit keine ausgelutschten Dauerdienst habenden Haus-(Land-)Ärzte, die zu Weiter- und Fortbildung und Berufspolitik keine Kraft haben. Förderung über Zuschläge: Entstehen kleinerer Ärztezentren für hausärztlichen und spezialärztlichen Bereich durch Freiberufler, nicht Angestellte, wie DDR-Poliklinikmodell, damit Lockerung der Niederlassungsbestimmungen und der Anstellungsmöglichkeit von Ärzten, Erhalt der Verkäuflichkeit von Arztpraxen, Ende 68er-Regelung/Enteignung. Das wäre das Grobe, was wir schnell bräuchten.
Längerfristig sollte über die systematisierte Koordination mit dem Patienten, durch faire, klare und übersichtliche Bestimmungen und die Anhebung der Qualität eine Medizin entstehen, die sinnvolle Prävention/Gesundheitsbildung vordringlich sieht und adäquater, sachgerechter und auch schließlich kostengünstiger sein wird.
Ärztinnen und Ärzte, steht endlich geschlossen auf und wehrt euch gegen die unerträglichen Zumutungen, zwingt unsere Funktionäre zum Aufstand und zwingt die Politik zu sachgerechten und sinnvollen Entscheidungen und zur Beachtung unseres achverstandes, stoppt den Wahnsinn im Gesundheitswesen!
Dr. med. Udo Saueressig, Gründelsweg 7, 69436 Schönbrunn
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema