ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2003Via medici Kongress: Wes’ Brot ich ess’ . . .

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Via medici Kongress: Wes’ Brot ich ess’ . . .

Dtsch Arztebl 2003; 100(33): A-2150 / B-1791 / C-1695

Feld, Michael

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Mehr als 10 000 junge Ärzte und Medizinstudenten besuchten in den vergangenen fünf Jahren den Via medici Kongress in Mannheim. Auch in diesem Jahr in Bochum zählten die Veranstalter circa 2 000 Teilnehmer. Foto: Thieme
Mehr als 10 000 junge Ärzte und Medizinstudenten besuchten in den vergangenen fünf Jahren den Via medici Kongress in Mannheim. Auch in diesem Jahr in Bochum zählten die Veranstalter circa 2 000 Teilnehmer. Foto: Thieme
Quo vadis, Medicus? Auf der „Via medici“ oder in dein Unglück, oder ist beides dasselbe? Der diesjährige „Via medici Kongress“ in Bochum war ein voller Erfolg. Über 1 500 Teilnehmer, dazu etliche hochkarätige Referenten aus allen Sparten des Gesundheitswesens, mit Ausnahme der hohen Politik, die sich lieber konsequent verweigerte. Sie wird wissen, warum. Es ging um „Zukunftschancen für junge Mediziner“. Wahrlich, dieser Kongress war interessant und informativ, spaßig und spannend. Allerdings wurde er von Institutionen ausgerichtet, die allesamt Nachwuchs brauchen und die eben diesem Nachwuchs deshalb nicht die ganze Wahrheit sagen können oder wollen.
„Wes’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing’!“ Ob Klinik oder Praxis, Verlag oder Firma, man hörte immer nur, wie gut die Aussichten auf eine Stelle wären. Man erzählte von notwendigen Qualifikationen, „soft skills“ und „hard skills“, und davon, dass man unbedingt „erst mal“ einen Facharzttitel erwerben solle, bevor man sich in „alternative“ Sparten begibt. Man wolle dort schließlich Ärzte haben, die ihren Beruf lieben, und keine frustrierten Abbrecher. Nun frage ich mich aber: Wie alt soll man eigentlich werden, bevor man endlich etwas machen „darf“, was einen vielleicht zufrieden stellt? Hätte man Freude am originären Beruf, müsste man sich ja nichts anderes suchen. Der Via medici Kongress wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um berufliche Alternativen für Ärzte aufgrund fehlender Stellen aufzuzeigen. Heute erfreut er sich regen Zulaufes „trotz“ genügend freier Stellen, weil diese nämlich arbeitstechnisch, zeitlich und finanziell enorm unattraktiv geworden sind. Darüber konnte man während des Kongresses aber nur von wenigen mutigen Referenten und Zuhörern erfahren, der Tenor schwieg dazu, er rekrutierte sich nämlich aus den Nachwuchs-besorgten Sphären, die sich ihre Schäfchen lieber ins Verschwiegen-Trockene holen, als sie mit zuviel Realität zu vergraulen.
Dr. med. Michael Feld,
Om de Huk 1, 25996 Wenningstedt/Sylt
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