ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2003zum Zins: Fiese Anlegerfalle

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zum Zins: Fiese Anlegerfalle

Dtsch Arztebl 2003; 100(33): [100]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es ist mal gerade so eben ein halbes Jahr her, dass ich an dieser Stelle (Deutsches Ärzteblatt, Heft 8, vom 21. Februar 2003) geschrieben habe, die Zinsen werden steigen und „das nicht zu knapp“.
Diese Prognose wider die herrschende Meinung hätte freilich auch gute Chancen gehabt, den Autor wahlweise des Größenwahns zu bezichtigen oder der Lächerlichkeit preiszugeben, wie das halt so ist, wenn gegen den Strich gebürstet wird.
Kalte Dusche für Zinsoptimisten
Tatsächlich habe ich nach dem Artikel erboste Anrufe von Bankern bekommen, die ihren renitenten Kunden, mit dem Börsebius-Artikel bewaffnet, keine lang laufenden Anleihen oder Rentenfonds mehr verkaufen konnten. Ob der Mann denn noch alle Tassen im Schrank habe angesichts weiter bestehender Zinssenkungsfantasien, beeilten sich manche Anlageberater, ihre Kunden doch noch ins Boot zu bekommen.
Indes, die kalte Dusche ist über die Zins-Optimisten in der Realität längst niedergegangen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist alleine in den letzten drei Monaten von 3,4 auf 4,3 Prozent gestiegen. Das sieht optisch nach nicht so sehr viel aus, hat aber bei lang laufenden Anleihen einen ziemlich herben Effekt auf die Kurswerte, wo schon bis zu fünf Prozent Minus aufgelaufen sind.
Und was nun? Fallen die Zinsen wieder, steigen sie munter weiter? Wenn mich nicht alles trügt, strebt das Kapitalmarktniveau mit unverändertem Dampf nach oben. Zwar zeigen die ökonomischen Daten immer noch Licht und Schatten, aber der Konjunkturfrühling steht unzweifelhaft vor der Tür. Dazu kommt die steigende Unlust der Zentralbanken, die Stellschraube für Zinsen weiter nach unten zu drehen, ganz im Gegenteil soll es schon Pläne geben, bei Gelegenheit wieder den Daumen nach oben zu halten. Die Zinsen im Zehnjahresbereich könnten meines Erachtens auf Sicht der nächsten 24 Monate an der Kante zu sechs Prozent durchaus anstoßen.
Rat für Anleger:
kurz, kurz, kurz
Im Ergebnis kann für den Anleger, so er mir folgt, nur lauten; kurz, kurz, kurz. Auf dem Geld sitzen bleiben, Geldmarktfonds kaufen oder sich mit Floatern auf der sicheren Seite halten, Renten bis maximal drei Jahre Laufzeit erwerben. Die mickrigen Zinsen aber bitte nicht als Ärgernis ansehen, sondern als Bonus gegen alternative Kursverluste bei lang laufenden Werten. Alles eine Frage des Blickwinkels.
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