ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Palliativmedizin: Finanzmittel reichen aus

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Palliativmedizin: Finanzmittel reichen aus

Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2189 / B-1825 / C-1729

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Hospizarbeit – eine umfassende pflegerische, psychosoziale und medizinische Betreuung am Lebensende Foto: KNA
Hospizarbeit – eine umfassende pflegerische, psychosoziale und medizinische Betreuung am Lebensende Foto: KNA
Stiftung: Hospizarbeit soll Teil der Regelversorgung werden.
Rund 60 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben von 218 Milliarden Euro würden für Schwerstkranke und Sterbende ausgegeben. „Warum“, fragte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, vor Journalisten in Düsseldorf, „gibt es bei diesen Zahlen keine adäquaten Angebote?“ Brysch machte die Politik der rot-grünen Bundesregierung dafür verantwortlich, dass der Anteil der Hospiz- und Palliativ-Care-Angebote nur bei 4,3 beziehungsweise 2,1 Prozent liegt, obwohl inzwischen rund 40 Prozent der Bevölkerung eine umfassende pflegerische, psychosoziale und medizinische Betreuung am Lebensende in Anspruch nehmen. Die Politik sei eher planwirtschaftlich als marktwirtschaftlich ausgerichtet.
Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte, die Gesundheitsausgaben umzustrukturieren. Hospizarbeit und palliative Pflege müssten Bestandteil der Regelversorgung werden und bestehende Netzwerke in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder zu Hause ausgebaut werden. Die vorhandenen finanziellen Mittel reichten dafür aus, jedem Patienten eine angemessene Versorgung zu ermöglichen. Zurzeit kostet Brysch zufolge die Behandlung von Sterbenden 420 Euro täglich. Dabei komme oftmals eine Maximaltherapie, nicht aber gute Sterbebegleitung heraus. Tagesbudgets für Schwerstkranke von 250 Euro in den letzten zwölf Monaten ihres Lebens reichten hingegen aus, um eine selbstbestimmte Wahl der Leistungen zu ermöglichen.
Die Gesundheitspolitik komme außerdem langfristig nicht umhin, Palliativ-Care mindestens für vier Monate in die diagnosebezogenen Fallpauschalen der Krankenhäuser zu integrieren. „Ansonsten steht bei schwerstkranken Patienten ein regelmäßiger Wechsel zwischen zu frühzeitigen Entlassungen und erneuten Einweisungen bevor, Höhercodierungen werden die Regel, und die Patienten werden zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung hin- und hergeschoben“, sagte Brysch.
Um Reformen voranzutreiben, sei es zudem notwendig, das Thema Sterben zu enttabuisieren. Auch bei den Ärzten sei eine Änderung im Denken notwendig, forderte Monika Schweihoff, Ärztin in der Deutschen Hospiz Stiftung. „Ärzte können es wegen des medizinischen Fortschritts schwer annehmen, wenn überhaupt jemand stirbt“, sagte sie. Schweihoff forderte von der Politik, Palliativ-Care als prüfungsrelevantes Fach in die Ausbildung von Medizinstudierenden und Pflegepersonal aufzunehmen. Außerdem müsse die Weiterbildung zum Facharzt für Palliative Medizin eingeführt werden. Dadurch werde es ermöglicht, schwer kranke Patienten auch in eigener Praxis zu beraten und dies abzurechnen.
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