ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Chemo- und Strahlentherapie: Steroidhormone kontraproduktiv

AKTUELL: Akut

Chemo- und Strahlentherapie: Steroidhormone kontraproduktiv

Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2189 / B-1825 / C-1729

EB

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LNSLNS Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen sind unerwünschte Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie, die sich durch Glucocorticoide mildern lassen. Ihre adjuvante Gabe gilt als unverzichtbar in der Krebsbehandlung. Doch dieses Therapiekonzept muss möglicherweise bei bestimmten Krebsarten überdacht werden. Dies lässt sich aus den Forschungsergebnissen schließen, die Dr. Ingrid Herr,
Prof. Klaus-Michael Debatin und Prof. Magnus von Knebel Doeberitz vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg in Cancer Research (2003; 63: 3112–3120) veröffentlicht haben. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Glucocorticoide Tumorzellen von Cervix-und Bronchialkarzinomen gegen die Krebsbehandlung resistent machen.

Glucocorticoide wirken sich positiv auf das Allgemeinbefinden der Patienten während einer Therapie aus. Zudem lösen diese Steroidhormone bei Leukämiezellen den programmierten Zelltod (Apoptose) aus und unterstützen somit den Therapieerfolg. Dies ist jedoch nicht bei soliden Tumoren ganz der Fall – im Gegenteil: Gebärmutterhals- und Lungenkarzinome wachsen unter Glucocorticoidhormonen sogar schneller. An Zellkulturen und bei Tierversuchen mit Mäusen untersuchte Herr, wie der Wirkstoff Dexamethason auf molekularer Ebene in die Signalkaskade des programmierten Zelltods eingreift. Sie fand heraus, dass das Glucocorticoid direkt und indirekt die Aktivität vieler Signalmoleküle beeinflusst und auch zwei entscheidende Komponenten – die Caspase-8 und Caspase-9 – hemmt. Die Blockade dieser Enzyme ist offensichtlich der Hauptgrund dafür, dass die Zellen solider Tumoren nicht mehr auf die Therapie ansprechen. Diese Annahme hat Herr mit einer weiteren Untersuchung bestätigt: Bringt man die Gene der Caspasen oder ihre funktionsfähigen Produkte in die Tumorzellen ein, so werden diese wieder empfänglich für das Apoptosesignal und sterben ab.

Bislang sind die molekularen Abläufe dieser Vorgänge nicht im Einzelnen geklärt, und klinische Untersuchungen müssen sich anschließen; dennoch könnten die Ergebnisse weitreichende Auswirkungen auf den Einsatz von Glucocorticoiden in der Krebsbehandlung haben. Herr und Kollegen überprüfen jetzt die Wirkung von Glucocorticoiden bei jeder einzelnen Krebsart, um eine differenzierte Aussage machen zu können. EB
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