ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1996Bisphosphonat Tiludronat: Neue Therapieoption bei Morbus Paget

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Bisphosphonat Tiludronat: Neue Therapieoption bei Morbus Paget

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Zu Lebzeiten wird die Diagnose Ostitis deformans Paget nur selten gestellt, da es viele oligo- oder asymptomatische Fälle gibt. Die schleichend beginnende Erkrankung manifestiert sich mono- oder polyostotisch. Dann verdicken und verkrümmen sich Becken-, Wirbelsäulen-, Schädel- sowie Ober- und Unterschenkelknochen, manchmal begleitet von heftigen rheumatischen Schmerzen, die bei Kälte und Belastung zunehmen.
Als Komplikationen können Gonarthrose, Coxopathie, Taubheit infolge Nervenkompression und Radikulopathie auftreten. In fünf bis zehn Prozent der Fälle entwickelt sich ein Osteosarkom. Im histologischen Knochenpräparat ist ein gesteigerter Knochenabbau auffällig, der durch eine überstürzte Neubildung von mechanisch minderwertigem Knochengewebe kompensiert werden soll.
Die Ursache der Erkrankung ist noch unbekannt. Es gibt jedoch Befunde, die eine Slow-virus-Infektion als Auslöser der Hyperaktivität der Osteoklasten und des dadurch induzierten Knochenabbaues wahrscheinlich machen. Die Paget-Krankheit ist leicht zu diagnostizieren, erklärte Prof. Johann D. Ringe (Leverkusen) auf einem Symposium der Sanofi Winthrop GmbH in München. Die klinischen Symptome zusammen mit der Bestimmung der erhöhten alkalischen Phosphatase im Serum oder im Knochengewebe und von Hydroxyprolin und Pyridinolin im Urin verdichten zumindest den Verdacht.
Klärung bringt dann die Skelettszintigraphie mit 99m-Technetium-markierten Phosphaten, wodurch die sogenannten Paget-Herde aufgedeckt werden. Eine gezielte Röntgenaufnahme verifiziert dann diese Speicherherde. Die seit den achtziger Jahren verfügbaren Therapiemöglichkeiten konnten die Progression der Knochen- erkrankung nicht verhindern. Anfangs verabreichte man Calcitonin und Etidronat, später Clodronat und/ oder Pamidronat. Schmerzen konnten durch diese Medikamente weitgehend verhindert werden.


Hemmung der Osteoklasten
Heute lassen sich mit wirksameren und besser verträglichen Bisphosphonaten weitaus günstigere Langzeitergebnisse erzielen. Auch die Laborparameter des Paget-typischen Knochenumbaues werden weitgehend normalisiert. Verfügbar ist Tiludronat (Skelid®, Sanofi Winthrop), das "aggressiv" eingesetzt werden sollte. Die Tabletten supprimieren die Krankheitsaktivität und führen zu Remissionen. Schmerzen und Komplikationen können verhindert oder minimiert werden.
Tiludronat hemmt spezifisch die außer Kontrolle geratenen hyperaktiven Osteoklasten und bewirkt dadurch eine annähernde Normalisierung des Knochenstoffwechsels mit Aufbau von gesundem, mechanisch belastbarem Knochengewebe, erläuterte Dr. Hans Joachim Hutt (München). Die primäre Behandlungsdauer beträgt drei Monate. Ein weiterer Zyklus ist im Mittel erst nach weiteren achtzehn Monaten erforderlich. Siegfried Hoc

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