ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Gesundheitsreform: Nicht hinnehmen, sondern aktiv handeln

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Gesundheitsreform: Nicht hinnehmen, sondern aktiv handeln

Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2214 / B-1844 / C-1748

Matejka, Rainer

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LNSLNS Die Überschrift des Artikels suggeriert unbewusst eine typische Ärztehaltung: „Es hätte alles noch schlimmer kommen können, aber was auch immer kommt, wir Ärzte nehmen es hin.“
Statt die Solidargemeinschaft auf die wesentlichen Risiken zu konzentrieren und damit entscheidend preiswerter zu machen und gleichzeitig aktive Prävention des Versicherten durch gesundheitsbewusste Lebensführung zu honorieren, wird gar über das Schreckgespenst einer Bürgerversicherung diskutiert. Auf den ersten Blick mag sie solidarisch erscheinen. Bei näherer Betrachtung würde dadurch analog zur Bundesanstalt für Arbeit ein neues Milliardengrab entstehen, welches das Grundproblem unseres Gesundheitswesens nicht löst: die ineffizienten und intransparenten Strukturen sowie die oft nur symptomatisch ausgerichteten Behandlungsstrategien bei chronischen Zivilisationserkrankungen. Der gegenwärtige Reförmchenversuch ist ein weiterer Beleg, dass unsere Politiker nach wie vor mit Bevormundung, Budgetierung und der hirnlosen Seehoferschen Mehr-Geld-ins-System-Politik versuchen, das Ganze irgendwie über Wasser zu halten. Dass bei dem Tandem Schmidt/Seehofer nichts Gescheites herauskommen konnte, war zu erwarten. Ich frage mich, wann die Ärzteschaft endlich nicht mehr nur hinnimmt, sondern aktiv handelt. Statt dilettantischer Streiks gäbe es etwas viel Wirksameres: alle Vertragsärzte geben ihre Kassenzulassung zurück. Dann wäre das deformierte System am Ende, und man könnte endlich etwas Vernünftiges daraus machen.
Ziel müsste sein, das Verhältnis Arzt/Patient in den Mittelpunkt zu stellen und bürokratische Bevormundung so weit wie möglich zu reduzieren. Dem versicherten Bürger muss dabei ein Höchstmaß an individuellen Optionen über seinen Versicherungsumfang eingeräumt werden. Der Vorschlag einer Bürgerversicherung stellt das Gegenteil dar.
Die Krönung: Seehofer tönt auch noch, jetzt habe man erst einmal drei bis fünf Jahre Ruhe vor einer nächsten Stufe der Reform. Da kann ich nur lachen. Noch in diesem Jahr wird das Heulen und Zähneklappern weitergehen und klar zutage treten, dass weitere Kostenanstiege statt Beitragssenkungen in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung unvermeidlich sind.
Dr. med. Rainer Matejka, Heimeradstraße 30, 34289 Zierenberg
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