ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Humboldt-Universität: Missverständlich

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Humboldt-Universität: Missverständlich

Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2214 / B-1844 / C-1748

Schöck, Thomas A. H.

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Foto: ddp
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. . . Da (der Artikel) eine Reihe von Aussagen enthält, die zumindest missverständlich und geeignet sind, einen Berufsstand pauschal zu diskreditieren, möchte ich Folgendes deutlich machen:
! Die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten verstehen sich als professionelle Wissenschaftsadministratoren, die aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer zum Teil langjährigen Erfahrung versuchen, in einer Zeit zunehmender Engpässe der Staatsfinanzen trotzdem einen leistungsfähigen und effizienten Lehr- und Forschungsbetrieb an den deutschen Universitäten sicherzustellen.
! Soweit an einzelnen Stellen – zu nennen sind hier die niedersächsischen Stiftungsuniversitäten und die Technische Universität Berlin – so genannte „Vorstandsmodelle“ eingeführt worden sind, gibt es auch dort ein für Personal und Finanzen zuständiges Vorstandsmitglied mit gegenüber anderen Ressorts herausgehobener Verantwortung. Vergleichbare Wirtschaftsunternehmen praktizieren durchweg ähnliche Führungsmodelle.
! Die jetzt so genannten Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten arbeiten selbstverständlich in den Arbeitskreisen der Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten mit und nehmen an den Jahrestagungen teil. Die Benennung der Funktion hat dabei bisher niemals eine Rolle gespielt.
! Wer sich bei deutschen Universitäten kundig macht, wird schnell feststellen, dass die Kanzler dort schon bisher „nicht verwalten, sondern gestalten“ und einen ganz wesentlichen Beitrag zum „Unternehmenserfolg“ liefern – sei es bei der baulichen Entwicklung, sei es bei der Anpassung von Verfahren und Strukturen an die geänderten Verhältnisse (genannt seien nur die leistungsorientierte Ressourcenverteilung oder das neue Steuerungsmodell) bis hin zur Herstellung von Kontakten zu Wirtschaftspartnern und der Einwerbung von Drittmittelprojekten. Dass dabei eine Aufgabe des juristisch vorgebildeten Kanzlers auch ist, darauf zu achten, dass bei den Entscheidungen der Universität den Anforderungen der Rechtsstaatlichkeit Rechnung getragen wird, soll nicht verschwiegen werden (auch wenn es gelegentlich als lästig empfunden werden sollte).
Die in dem Artikel gezogene Schlussfolgerung, dass eine Universität erst dann richtig funktioniert, wenn „das Kanzleramt abgeschafft ist“, lässt deshalb kaum sachliche Substanz erkennen und ist – wie wohl fast alle Pauschalurteile – nicht nachvollziehbar.
Thomas A. H. Schöck, Sprecher der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten der Bundesrepublik Deutschland, Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Schlossplatz 4, 91054 Erlangen
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