ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Homöopathie: Methode für Kenner und Könner
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LNSLNS Es gibt keine Heilmethode die sich „wissenschaftlicher“ darstellt als die Homöopathie als Prinzip. Am Beispiel des Infektes lässt sich zeigen, dass die Infektion immer vor dem Ausbruch der Symptome liegt, die Zwischenzeit nennt man Inkubation. D. h., immer ist die Ursache der Krankheit vorbei, wenn die Symptome auftreten, nach denen wir die Diagnose stellen. Symptome sind also niemals die Ursachen der Krankheit, sondern immer die Folge, unabhängig davon, dass auch Symptome wiederum vermehrte Krankheitssymptome zu einem Circulus vitiosus veranlassen können. Wenn es für die Krankheit keine kausale Therapie gibt, weil man immer zu spät kommt, hat die Homöopathie den entscheidenden Vorteil, jedenfalls ist es ihre Absicht, die Symptome zu verstärken (weil die Symptome ja Ausdruck der körpereigenen Widerstandsleistung sind gegen die Krankheitsnoxe). Hier kommt dann die „arzneimittelgerechte“ Ähnlichkeitsregel zur Anwendung. Der Homöopathie steht nur eines entgegen: Es ist zu schwierig, die homöopathische Methode für den Einzelnen in richtiger Form, das heißt Konzentration und der Auswahl des Mittels, exakt zu indizieren. Die homöopathische Methode ist deshalb, weil sie so schwierig ist, in Verruf geraten, weil Inkompetente sich darum gekümmert haben. Wie schwierig es ist, Symptome richtig einzuordnen, hat schon Manfred Eigen in einem persönlichen Anschreiben folgendermaßen definiert: Unterstellt man, ein Mensch von 100 Kilo bestünde aus reinem Wasserstoff, würden in der Sekunde 1039 Reaktionen stattfinden. Das Reaktionspotenzial des Sauerstoffs und 100 Kilo Mensch mit den wesentlich schwereren Molekülen würden geschätzt etwa l020 Reaktionen pro Sekunde ergeben; auch wenn es nur l010 oder l05 Reaktionen pro Sekunde sind, ist das doch so viel, dass man es niemals verfolgen könnte, auch nicht mit noch so genialen Computern. Wie der Organismus funktioniert, in exakter Symptomatik für den Einzelnen auszudrücken ist unmöglich. Wenn man dann Ärzte hat, die aus Erfahrung gute Homöopathen sind, kann man diese nur loben. Es darf nur nicht verwechselt werden, dass gut immer gleichgesetzt wird mit erfolgreich. Aber sicher ist, dass Homöopathie, wenn sie richtig ist, zur Erstverschlimmerung führt, denn man verstärkt ja schließlich die Symptomatik durch entsprechende Anregung durch das Medikament. Man unterstützt also die Leistung des Organismus in der Abwehr der Krankheitsnoxe durch Potenzierung der Symptomatik. D. h., ohne Krankheit kann niemand gesund werden. Krankheit ist immer der Versuch des Organismus zur Überwindung der Krankheitsnoxe. Deshalb ist Homöopathie die physiologische Methode, aber dazu gehören Kenner und Könner. Ich kann es leider nicht.
Dr. Otto Meyer zu Schwabedissen, Am Stadtgarten 28, 77855 Achern
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