ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2003Schloss Heidelberg: Machtentfaltung, Glanz und Absturz

VARIA: Feuilleton

Schloss Heidelberg: Machtentfaltung, Glanz und Absturz

Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2241 / B-1867 / C-1770

Steiner-Rinneberg, Britta

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Schlusssteine mit Wappen der Kurfürsten und angeheirateten Linien, die das Gewölbe des Rittersaals im Ruprechtsbau zieren Fotos: Britta Steiner-Rinneberg
Schlusssteine mit Wappen der Kurfürsten und angeheirateten Linien, die das Gewölbe des Rittersaals im Ruprechtsbau zieren Fotos: Britta Steiner-Rinneberg
Eine Dauerausstellung informiert über
die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der Kurpfalz.

Das Heidelberger Schloss hat einen weiteren Anziehungspunkt bekommen: die Dauerausstellung „Mittelalter – Schloss Heidelberg und die Pfalzgrafschaft bei Rhein bis zur Reformation“. Sie stellt – nach der bereits 1999 eröffneten Präsentation „Schloss Heidelberg im Zeitalter der Romantik“ – den zweiten Schritt im Planungskonzept dar, das zwei weitere Ausstellungen vorsieht, die aber erst zu einem späteren Zeitpunkt verwirklicht werden sollen.
Die von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg in enger Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv in Karlsruhe erarbeitete neue Dauer-Schau geht inhaltlich auf die im Winterhalbjahr 2000 im Ottheinrichsbau des Schlosses gezeigte große Sonderausstellung „Der Griff nach der Krone – Die Pfalzgrafschaft bei Rhein im Mittelalter“ zurück. Sie stellt quasi einen Extrakt aus der Überfülle der damaligen, mit kostbaren Leihgaben bestückten Aufsehen erregenden Veranstaltung dar. Anhand von besonders wichtigen und typischen Objekten wie Grabplatten, Abgüssen, Urkunden, Folianten, archäologischen Funden, Stammtafeln, Karten, Münzen und dokumentierten Fotos wird interessierten Besuchern auf anschauliche Weise Gelege
nheit geboten, sich über die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der Kurpfalz, des Schlosses und seiner Bewohner zu informieren. Wer sein Wissen um die Zusammenhänge und dynastischen Beziehungen des damals bedeutendsten weltlichen Kurfürstentums vertiefen möchte, dem sei der Ausstellungskatalog mit viel Wissenswertem über Machtentfaltung, Glanz und Absturz empfohlen.
Was dem Besucher im Rittersaal des Ruprechtsbaues an Objekten als erstes ins Auge springt, sind unter anderem die Deckplatte vom Hochgrab Margarete von Siziliens, der früher im so genannten Gläsernen Saalbau installierte riesige Kamin von 1546, ein nach Sebastian Münsters Kupferstich von 1550 hergestelltes Modell des Schlosses und ein goldgestickter, großer genealogischer Wandteppich Ottheinrichs.
Im Vorraum grüßen die reizvollen Porträts Friedrichs V., des Erbauers des Hortus Palatinus und unglücklichen „Winterkönigs“, und seiner Gemahlin Elisabeth von England, der Enkelin Maria Stuarts, von der Steinwand und erinnern an die Märchenhochzeit des blutjungen Paares und sein späteres Schicksal. Ansichten des von Salomon de Caus ab 1613 erbauten kunstvollen Parks, an dem bis zu Friedrichs unseligem Aufbruch nach Böhmen, 1619, zügig gearbeitet wurde, fehlen nicht. Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges stoppte alle Mittel, und der Verfall begann schnell.
Wer noch Zeit erübrigen kann, sollte nicht versäumen, die zwei Stockwerke höher installierte „Romantiker-Ausstellung“ gleich mitzubesuchen, in der er neben vielen bekannten und berühmten Malernamen auch weniger vertrauten und ihren Werken begegnet, zum Beispiel Johann Daniel Volk, Thomas Leger, Christian Haldenwang und Theodor Miles-Richardson. Ihre Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Kreiden, Radierungen und Skizzen des romantischen Jahrhunderts finden sparsame Ergänzung durch in Vitrinen ausgestellte Literatur der Zeit mit Werken von Brentano, Goethe, Marianne von Willemer, Aloys Schreiber oder Peter Wundt sowie großformatige Tafeln mit Informationen über die Musik der Romantik in Heidelberg, aufgezeigt an Schöpfungen Carl Maria von Webers, Robert Schumanns oder Louise Reichardts: bildliche und schriftliche, bis zur reinen Verklärung reichende Zeugnisse für die einmalige ideale Verbindung von Natur, Kunst und Geschichte, die heute so einträglich zu vermarkten ist. Britta Steiner-Rinneberg
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