ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003West-Ost-Transfer: Äpfel mit Birnen

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West-Ost-Transfer: Äpfel mit Birnen

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2253 / B-1877 / C-1777

Flintrop, Jens

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LNSLNS Eigentlich eine gute Nachricht: Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung will die Vergütung der vertragsärztlichen Leistungen in den neuen Ländern auf das Niveau in den alten anheben. Als Maßstab für die Vergütung hat das Ministerium den GKV-Umsatz je Arzt gewählt – unabhängig davon, wie viel der Arzt für diesen Umsatz arbeitet. Genauso gut könnte man die These aufstellen, dass portugiesische Bauarbeiter auf deutschen Baustellen gleich gut vergütet werden wie ihre deutschen Kollegen, wenngleich die Portugiesen für das gleiche Monatseinkommen täglich mehrere Stunden länger schuften müssen.
Der Knackpunkt: Die Versorgungssituation in den neuen Ländern unterscheidet sich eklatant von der in Westdeutschland. Volkskrankheiten wie Diabetes und Kreislauferkrankungen treten zum Beispiel häufiger auf. Auch ist die Arztdichte geringer. Beides wirkt sich auf die Häufigkeit der Arzt-Patienten-Kontakte aus. So lag die Fallzahl je Vertragsarzt im Jahr 2001 im Osten um 28 Prozent über der im Westen (neue Länder: 5 429; alte Länder: 4 232). Die GKV-Ausgaben für die ärztliche Behandlung je Versicherten im Jahr 2001 in den neuen Ländern lagen lediglich auf 80,65 Prozent des Westniveaus.
Der aktuelle Gesetzentwurf suggeriert, dass der Honorarunterschied zwischen den Ost- und Westärzten „nur“ vier Prozentpunkte beträgt. Gegenübergestellt wird ein GKV-Umsatz je Arzt von 174 791 Euro im Osten und 182 566 Euro im Westen. „Die Regierung kann nicht absolute Einkommen vergleichen, ohne vorab die jeweiligen Leistungsmengen in den Bundesländern gegenübergestellt zu haben“, betonte Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).
Auf heftige Kritik des KBV-Länderausschusses stieß auch der Plan des Gesetzgebers, die Anhebung der Gesamtvergütung Ost über eine Absenkung der Gesamtvergütung West zu finanzieren. „Die Angleichung muss durch die Krankenkassen aus den Kassenbeiträgen finanziert werden – wie dies für die anderen Vergütungsbereiche, zum Beispiel beim Krankenhaus, bereits erfolgt ist“, hieß es in einer Resolution des Gremiums. „Keine andere Berufsgruppe wurde bisher gesetzlich verpflichtet, ihre beruflichen Honorare intern auszugleichen.“ Jens Flintrop
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