ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003In eigener Sache: Wortklauberei

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In eigener Sache: Wortklauberei

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2253 / B-1877 / C-1777

Gerst, Thomas

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LNSLNS Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil – dies ist nicht der Stil dieser Fachzeitschrift, und so hatte die Redaktion es nicht für notwendig erachtet, das im Mai 2003 bei Bertelsmann erschienene Buch „Heilen verboten, töten erlaubt“ von Kurt G. Blüchel kritisch zu rezensieren. Wenn dort in Form einer sensationell aufgemachten Enthüllungsstory die deutschen Ärzte insgesamt als Quacksalber mit quasi mafiösen Organisationsstrukturen verunglimpft werden, die sich das Geld der Versicherten in die eigenen Taschen scheffeln („Die Dreistigkeit der Ärzteschaft ist grenzenlos.“), so diskreditiert sich dieses Buch von allein, selbst wenn es einzelne Missstände zu Recht kritisiert.
Eine kurze Entgegnung ist dennoch angebracht, wird doch das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) von Blüchel als selbstzufriedenes Publikationsorgan eines Medizin-Syndikats diffamiert und gleichzeitig in vielfältiger Weise als Kronzeuge für seinen Rundumschlag gegen die Ärzteschaft herangezogen. Völlig unannehmbar ist es, wenn Zitate aus dem DÄ verfälscht und völlig sinnwidrig verwendet werden. So geschehen auf Seite 299, wo Prof. Klaus Dörner mit den Worten zitiert wird: „Unsere Aufgabe ist es, aus allen Gesunden Kranke zu machen“ – als würden die Ärzte im DÄ dazu aufgerufen, mit erfundenen Krankheiten neue Märkte zu erschließen.
Dass in der Folge die Zeitschrift Humanwirtschaft in großformatigen Anzeigen (Süddeutsche Zeitung vom 22. August) diese angebliche Skandaläußerung als Beleg für die organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen verwendet, fällt auf den Buchautor Blüchel zurück.
Geradezu absurd erscheinen auch dessen Mutmaßungen zu dem Werk „Geschichte der deutschen Ärzteschaft“, das anlässlich des 100. Deutschen Ärztetages im Jahr 1997 im Auftrag der Bundes­ärzte­kammer veröffentlicht wurde und aus dem Blüchel gleich seitenweise zitiert. Dass dieses „empfehlenswerte“ Buch, das „erstmals etwas Licht in dieses dämonische Dunkel der jüngsten Medizingeschichte bringt“, in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt ist, erinnert Blüchel an das Schicksal der Publikation von Mitscherlich/Mielke aus dem Jahr 1947 über den Nürnberger Ärzteprozess, deren Verbreitung angeblich von den Ärztekammern hintertrieben wurde. Dazu fällt einem nun wirklich nichts mehr ein. Thomas Gerst
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