ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Influenza-Impfung: Aufklärungsaktion trägt erste Früchte

POLITIK: Medizinreport

Influenza-Impfung: Aufklärungsaktion trägt erste Früchte

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2274 / B-1894 / C-1794

Schenkel, Karl; Buchholz, Udo; Ammon, Andrea; Haas, Walter

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LNSLNS Initiative des Robert Koch-Instituts und der Arbeitsgemeinschaft Influenza bei medizinischem Personal wird ausgebaut.

Die Influenza-Impfung von Berufstätigen im Gesundheitswesen kann Leben retten. Prof.Dr. Jörg Hoppe (Bundesärztekammer) und Prof.Dr. Reinhard Kurth (Robert Koch-Institut) bitten daher: „Lassen Sie sich gegen Influenza impfen. Ein kleiner Stich für Sie, ein großer Schutz für Sie und Ihre Patienten.“
Die Influenza-Impfung von Berufstätigen im Gesundheitswesen kann Leben retten. Prof.Dr. Jörg Hoppe (Bundes­ärzte­kammer) und Prof.Dr. Reinhard Kurth (Robert Koch-Institut) bitten daher: „Lassen Sie sich gegen Influenza impfen. Ein kleiner Stich für Sie, ein großer Schutz für Sie und Ihre Patienten.“
Die Durchimpfungsrate mit Influenzavakzine beim medizinischen Personal konnte durch eine gezielte Aufklärungskampagne in 2002 bereits in der Folgesaison deutlich gesteigert werden. Wie die Evaluation der letztjährigen Impfaktion des Robert Koch-Instituts und der Arbeitsgemeinschaft Influenza gezeigt hat, fand die
Initiative eine hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Lag die Durchimpfung des medizinischen Personals in der Saison 2000/2001 und 2001/2002 bei nur 16 beziehungsweise 15 Prozent (DÄ 38, 2002), konnte in der Saison 2002/2003 – unabhängig von Berufsgruppen und den an der Evaluation teilnehmenden Institutionen (Krankenhäuser: 23 Prozent, Altenpflegeheime sechs Prozent) – ein Anstieg der Influenzaschutzimpfungsrate um etwa zehn Prozent verzeichnet werden. Diese positive Entwicklung soll in einer erneuten Durchführung der Initiative in diesem Jahr weiter ausgebaut und verfestigt werden.
Zu den verschiedenen Informationen über die Influenzaschutzimpfung gehörte – wie in der vorausgegangenen Befragung evaluiert – die Betonung der besonderen, berufsbedingt erhöhten Exposition für eine Influenzainfektion sowie die Hervorhebung der Notwendigkeit, Unbedenklichkeit und der Effektivität der Schutzimpfung. Bei einer Pressekonferenz, einer Briefaktion mit Versendung von Informations- und Aufklärungsmaterial an Krankenhäuser und Einrichtungen der Altenpflege sowie in zahlreichen Textbeiträgen für die Mitarbeiterzeitungen von medizinischen Berufsverbänden wurde das Thema Influenzaschutzimpfung für medizinisches und Pflegepersonal präsentiert. 2 000 Krankenhausbetriebsärzte und die Leiter von circa 10 000 Altenheimen waren mit umfangreichem Informations- und Aufklärungsmaterial zur Influenzaschutzimpfung bei medizinischem und Pflegepersonal ausgestattet worden. Neben Postern, Handzetteln, Textbeiträgen für Mitarbeiterzeitungen und Powerpoint-Vorträgen wurden auch konkrete Aktionsvorschläge zur lokalen Umsetzung von Impfaktionen beigelegt. Insbesondere von den Postern und Handzetteln wurde reger Gebrauch gemacht: Mehr als 90 Prozent der an der Evaluation teilnehmenden Institutionen verwendeten das abgebildete Poster bei ihren Aktionen.
Bei fast 30 Prozent der beurteilten Krankenhäuser und 40 Prozent der Altenheime konnten durch die Initiative individuelle Einzelaktionen wie zum Beispiel Gruppenmailings, Aufrufe in Mitarbeiterzeitschriften oder das Anbringen von Impfplakaten zur Steigerung der Impfakzeptanz stimuliert werden. Einzelne Kliniken engagierten sich besonders und schickten mobile Impfteams, komplett ausgestattet mit Aufklärungsmaterial und den nötigen Impfutensilien, über die Stationen.
Ein weiterer, wesentlicher Schritt in die richtige Richtung ist nach Ansicht der Initiatoren das Angebot einer kostenfreien Influenzaschutzimpfung für medizinisches und Pflegepersonal, wie es in England, Italien und den Niederlanden ermöglicht wurde. Bei der Evaluation der letzten Impfaktion wurde ein kostenloses Angebot durch die Arbeitgeber der beteiligten Institutionen bei 80 Prozent der antwortenden Krankenhäuser und 35 Prozent der Altenpflegeheime angegeben.
Die hohe Gefährdung von medizinischem und Pflegepersonal insbesondere durch aerogen übertragbare Erkrankungen wurde eindrücklich im Laufe der SARS-Epidemie deutlich. Der größte Anteil der Fälle trat nach einer Exposition im Krankenhaus auf und betraf in bis zu 63 Prozent medizinisches Personal (1). Auch bei der Weiterverbreitung von SARS spielte medizinisches Personal eine Rolle. So betrafen bei den Ausbrüchen in Hongkong und Toronto, auch unter den Fällen durch sekundäre und tertiäre Übertragung, 62 beziehungsweise 51 Prozent das medizinische Personal (2, 3). Das Risiko einer aerogenen Übertragung auf nicht geimpftes medizinisches Personal muss für Influenza eher höher eingeschätzt werden als für SARS.
Multiplikatorwirkung
Die Durchimpfung des medizinischen und Pflegepersonals ist auch aufgrund seiner „Multiplikatorwirkung“ hinsichtlich der Infektionsgefahr für Patienten wichtig. Viele dieser Patienten haben ein erhöhtes Risiko für schwere klinische Verläufe einer Influenzainfektion. Es ist zu erwarten, dass eine hohe Impfrate bei medizinischem und Pflegepersonal auch zur Reduktion des Risikos nosokomialer Influenzainfektionen beiträgt. Die Effektivität der Grippeimpfung ist vor allem in den Hauptaltersgruppen des medizinischen Personals sehr gut und wird in der Literatur mit bis zu 90 Prozent angegeben (4, 5).
Aus diesen Gründen startet das Robert Koch-Institut zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza auch dieses Jahr wieder eine Initiative: Neben einer gemeinsamen Pressekonferenz ist erneut eine Versandaktion mit überarbeitetem Informationsmaterial und ein Aufruf in den verschiedensten Fachverbandszeitschriften geplant. Hierbei konnte erneut die Unterstützung von wichtigen Berufsverbänden gewonnen werden.

Dr. med. Karl Schenkel
Dr. med. Udo Buchholz, MPH
Dr. med. Andrea Ammon, MPH
Priv.-Doz. Dr. Walter Haas

Den Originalbeitrag finden Sie im Internet unter www. aerzteblatt.de/plus3603, die Literaturangaben unter www.aerzteblatt.de/lit3603.
1.
Centers for Disease Control and prevention.“Update: Outbreak of severe Acute respiratory Syndrome Worldwide.MMWR, 2003”;52(12):241-48
2.
Booth M et al:”Clinical features and Short-term Outcomes of 144 Patients With SARS in the Greater Toronto Area”;JAMA. 2003;289(21):2801-2809 MEDLINE
3.
Centers for Disease Control and prevention.““Cluster of severe Acute Respiratory syndrome cases Among protected Health care Workers-Toronto, Canada, April 2003;MMWR 2003;52(19):433-36
4.
Wilde J et al:”Effectiveness of Influenza Vaccine in Health Care Professionals” JAMA.1999;281(10):908-13; MEDLINE
5.
Bridges C et al:”Effectiveness and Cost-Benefit of Influenza Vaccination of Healthy Working Adults” JAMA. 2000;284(13):1655-63 MEDLINE
1. Centers for Disease Control and prevention.“Update: Outbreak of severe Acute respiratory Syndrome Worldwide.MMWR, 2003”;52(12):241-48
2. Booth M et al:”Clinical features and Short-term Outcomes of 144 Patients With SARS in the Greater Toronto Area”;JAMA. 2003;289(21):2801-2809 MEDLINE
3. Centers for Disease Control and prevention.““Cluster of severe Acute Respiratory syndrome cases Among protected Health care Workers-Toronto, Canada, April 2003;MMWR 2003;52(19):433-36
4. Wilde J et al:”Effectiveness of Influenza Vaccine in Health Care Professionals” JAMA.1999;281(10):908-13; MEDLINE
5. Bridges C et al:”Effectiveness and Cost-Benefit of Influenza Vaccination of Healthy Working Adults” JAMA. 2000;284(13):1655-63 MEDLINE

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