ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Labordiagnostische Werte – Keine eindeutige Vergleichbarkeit: Schlusswort

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Labordiagnostische Werte – Keine eindeutige Vergleichbarkeit: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2284

Raderecht, Hans-Joachim

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LNSLNS Der Gesamteindruck aller Stellungnahmen bestätigt die hohe Dringlichkeit der Schaffung einer eindeutigen Vergleichbarkeit zwischen den zahlenmäßigen Ergebnissen laboratoriums-diagnostischer Untersuchungen, die in verschiedenen Laboratorien durchgeführt werden, und darüber hinaus die dringende Notwendigkeit der Erweiterung bestehender Qualitätskontrollen.
Ich möchte die Forderung nach regionalen Kooperationen von ambulanten und stationären Laboratorien bei dieser Aufgabe unterstützen, insbesondere auch deshalb, weil bereits in den 80er-Jahren in den heutigen neuen Bundesländern derartige territoriale Kooperationen bestanden (Bezirksqualitätskontrolllaboratorien, Reagenzienapotheken). Diese Kooperation von Laboratorien ermöglichte neben der engmaschigen Kontrolle von Eich- und Vergleichslösungen auch die vergleichende Untersuchung von nativem Material. Dadurch war es möglich geworden, zumindest einen Teil der so genannten präanalytischen Einflussfaktoren zu erfassen.
Neben den Einflüssen durch langen Transport bei warmer Witterung spielen hierbei offensichtlich auch zum Teil die kommerziellen Abnahmegefäße eine Rolle. So zum Beispiel mussten wir beobachten, dass bei einer Abnahme von Blut in Gefäße mit eingetrocknetem EDTA und NaF die Diffusion des Hemmstoffs der Glykolyse offensichtlich so langsam vor sich geht, dass nach längerem Transport in der Wärme große Unterschiede bei der Glucosebestimmung beobachtet wurden.
Die Festlegung von Standardmethoden ist aufgrund der Matrix-Einflüsse auf das zahlenmäßige Ergebnis unabdingbar. Darüber hinaus können selbstverständlich einerseits orientierende Tests mit begrenzter diagnostischer Wertigkeit und andererseits Methoden höchster Präzision und Richtigkeit als Referenzmethoden eingesetzt werden. Die orientierenden Tests verlangen für ihre diagnostische Bewertung zusätzliche Informationen, so zum Beispiel die so genannte A-priori-Wahrscheinlichkeit. In jedem Falle muss der anfordernde Arzt bei Verwendung derartiger Methoden über die Begrenzung der diagnostischen Aussage informiert sein.
Die Benutzung einheitlicher Einheiten einerseits und standardisierter Methoden andererseits sind neben der Festlegung der Referenzwertpopulation für die Ermittlung der Referenzwerte von entscheidender Bedeutung. Hierüber haben nationale und internationale Arbeitsgruppen viele Jahre gearbeitet und 1986 entsprechende Empfehlungen verabschiedet.
Darüber hinaus ist es als Zielvorstellung wünschenswert, personengebundene Referenzwerte zu ermitteln. Dies erfordert jedoch eine umfangreiche experimentelle Arbeit, wobei neben der Anwendung standardisierter Methoden, einheitlicher Maßsysteme vor allem die möglicherweise vorhandenen Tagesschwankungen der Werte und die wichtigsten präanalytischen Faktoren zu beachten sind. Erste Erfahrungen auf diesem Gebiet hat insbesondere die Arbeitsgruppe LESTIN (IfL Schwerin).
Bei der angesprochenen Problematik ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschungszentren, den Arbeitsgruppen der Fachgesellschaften (Standardisierung, DIN-Normen-Ausschuss) mit der Abteilung Qualitätskontrolle im Gesundheitswesen des Bundesministeriums dringend erforderlich.
Literatur beim Verfasser
Priv.-Doz. Dr. Dr. Hans-Joachim Raderecht
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