ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Bluthochdruck: Arzneimitteltherapie im europäischen Vergleich

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Bluthochdruck: Arzneimitteltherapie im europäischen Vergleich

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2290

Brenner, Gerhard

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LNSLNS Der gegenwärtige Streit um die Arzneimittel-Verschreibung billiger (Diuretika) und teurerer (ACE-Hemmer) bei Bluthochdruck relativiert sich, wenn man die Verschreibungsgewohnheiten von Deutschland im europäischen Vergleich mit Österreich, Finnland, Italien, den Niederlanden und England betrachtet. Im Rahmen einer von der EU geförderten Studie mit dem Titel „Patient charges and decision making behaviours of consumers and physicians“, die kürzlich erschienen ist, wurde auf Basis von IMS-Daten nachgewiesen, dass der Anteil der Verschreibungen von ACE-Hemmern bei Bluthochdruck in Deutschland mit einem Anteil von 28,7 % vor England an zweitniedrigster Stelle steht.
Der Anteil von ACE-Hemmern bei der antihypertensiven Therapie liegt in Italien bei 49,4 %, in Österreich bei 39,3 %, in den Niederlanden bei 35,9 %, in Finnland bei 31,2 % und in England bei 20,1 %.
Fasst man die neueren Arzneimittel ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Betablocker zur Behandlung des Bluthochdrucks zusammen, so ist in Italien ein Anteil von 83 %, in Finnland 80,1 %, in den Niederlanden 76,1 %, in Österreich 74,6 %, in Deutschland 72,8 % und in England 62,2 % zu beobachten.
Der höchste Anteil von Diuretika-Verschreibungen zeigt sich im staatlichen National Health Service in England mit 26,8 %, gefolgt von den Niederlanden 18,4 % und Finnland mit 17,6 %. In Italien, Deutschland und Österreich liegen die Diuretika-Verschreibungen bei Bluthochdruck unter 10 %.
Dieser europäische Vergleich zeigt, dass in fast allen Ländern die neuen Therapieprinzipien zur Behandlung des Bluthochdrucks mit ACE-Hemmern, Kalziumantagonisten und Betablockern angewandt werden. Die Behandlung mit den älteren Diuretika spielt nur noch in England eine bedeutendere Rolle.
Es ist deshalb zu kritisieren, wenn die Protagonisten der Billigmedizin in der kürzlich vorgestellten Studie der Barmer Ersatzkasse empfehlen, bei Bluthochdruck in Deutschland die billigen, weniger wirksamen Diuretika anstelle von ACE-Hemmern einzusetzen.
Die Versorgung von Bluthochdruckpatienten in Deutschland würde damit vom international üblichen Therapiestandard abgekoppelt.
Dr. rer. pol. Gerhard Brenner, Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung der Bundesrepublik Deutschland,
Höninger Weg 115, 50969 Köln
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