ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Gesundheitsreform: Wettbewerb notwendig

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Gesundheitsreform: Wettbewerb notwendig

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2292 / B-1912 / C-1811

Krautter, Hermann

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LNSLNS Dr. Clade scheint es ein Dorn im Auge zu sein, dass Kranke und Versicherte in der GKV 68 % der Unkosten finanzieren. (Wie viel Prozent zahlen wohl die Autofahrer für ihre PKW-Versicherung?) Insbesondere beklagt er das Vorhaben, die Arbeitgeber von der bisherigen Kostenbeteiligung zu entlasten. Man fragt sich, in welcher Welt der Autor lebt: Sind ihm die steigenden Arbeitslosenzahlen, die unser Sozialsystem produziert, etwa entgangen? Weiß er nicht, dass im Rahmen der Globalisierung insbesondere die mittelständische Industrie durch die aufgebürdeten Sozialkosten zunehmend konkurrenzunfähig wird? Ist ihm eine Staatsquote von annähernd 50 % am BSP immer noch nicht genug? Es gibt ernst zu nehmende Ökonomen, die unter den derzeitigen Bedingungen des deutschen Staates, insbesondere seiner Sozialpolitik, die freie Marktwirtschaft in Gefahr sehen. Freie Marktwirtschaft ist aber die einzige Möglichkeit, Wohlstand zu schaffen („win-win-situation“). Einen Kuchen zu verteilen, der immer kleiner wird, hat schon den „real existierenden Sozialismus“ im Osten in den Bankrott getrieben.
Das deutsche halbstaatliche Gesundheitssystem verführt alle Beteiligten zu einer Verschwendung der verfügbaren Ressourcen: Ohne (prozentuale) Eigenbeteiligung haben die Patienten keinerlei Anreize, das Kassensystem nicht auszubeuten („Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein“). Die sich meist in öffentlicher Hand befindlichen Krankenhäuser haben einen riesigen Behördenapparat geschaffen („Drei Stunden Verwaltungsarbeit für die Krankenhausärzte täglich“), da nicht auf Gewinn gearbeitet wird und somit niemand so recht an Kostendämmung interessiert ist. Bei den öffentlichen Krankenkassen stehen die Kosten ebenfalls nicht im Vordergrund: Wenn man schlecht wirtschaftet, erhält man ja einen Ausgleich der besser organisierten Kassen. Im Zweifelsfall erhöht man die Beiträge. „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“, ein vom Nobelpreisträger Friedrich A. von Hayek geprägter Begriff, scheint dem deutschen Gesundheitswesen dringend notwendig.
Dr. med. Hermann Krautter, Fischbrunnenstraße 1, 73728 Esslingen
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