ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Musikstadt Leipzig: Außerordentliche Erlebnisse

VARIA: Feuilleton

Musikstadt Leipzig: Außerordentliche Erlebnisse

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2319 / B-1932 / C-1830

Wiegand, Ursula

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Blick aus dem Gewandhaus auf den Augustusplatz mit Mende-Brunnen und Oper. Daneben das City-Hochhaus („Weisheitszahn“)
Blick aus dem Gewandhaus auf den Augustusplatz mit Mende-Brunnen und Oper. Daneben das City-Hochhaus („Weisheitszahn“)
Bachs Musik ist in Leipzig ständig präsent, am eindrucksvollsten in der Thomaskirche.

Selbstbewusst sieht sich Leipzig gleich nach Wien als Europas Musikstadt. „Die Bonner besitzen zwar ihren Beethoven, doch wir haben Bach, Schumann und Mendelssohn“, tönt es beim innerdeutschen Vergleich. Tatsache ist, dass Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig Deutschlands erstes Konservatorium gründete. Richard Wagner wurde hier geboren. Auch Grieg komponierte in der Stadt.
So flankieren denn auch zwei Musiktempel den weitläufigen Augustusplatz: das Gewandhaus und die Oper. Beide teilen sich das renommierte Gewandhausorchester unter Maestro Herbert Blomstedt. Im Gewandhaus laufen vom 31. Oktober bis 9. November die Mendelssohn-Festtage. Den Schwerpunkt der ganzen Saison bildet die Musik Dvoraks anlässlich seines 100. Todestages, so in den Konzerten am 2./3.Oktober. Weiter geht es mit Dvorak in 2004, und zwar am 5./6. Februar, 22./23. April und 27./28.Mai. (www.gewand haus.de)
Opernintendant Henri Maier, ein Franzose aus dem Elsass, bietet in der Spielzeit 2003/2004 als Neuinszenierungen Berlioz’ „Trojaner“, Verdis „Aida“ und Bellinis „I Capuleti i e Montechi“, einen Romeo- und Julia-Stoff. Daneben setzt er in der Musikalischen Komödie (ein eigenes Haus) mit „Martha“, „Gräfin Mariza“ und der „Blume von Hawaii“ auf die leichte Muse. (www.oper-leipzig.de)
Bach-Denkmal neben der Thomaskirche. Fotos: Ursula Wiegand
Bach-Denkmal neben der Thomaskirche. Fotos: Ursula Wiegand
Schon vor einigen Jahren hat man das Mendelssohn-Haus an der Goldschmidtstraße 12 instand gesetzt, kürzlich auch das Schumann-Haus an der Inselstraße 18. Robert Schumann und seine Frau, die Pianistin Clara Schumann, wohnten dort von 1840 bis 1844 zur Miete, musizierten und veröffentlichten unter beider Namen Kompositionen. Doch Bach, 27 Jahre in Leipzig als Thomaskantor tätig, ist unbestritten der Größte. Im Alten Rathaus hat man einen neuen Bach-Raum gestaltet, mit dem bekannten Bach-Porträt von Elias Gottlob Hausmann sowie einem Faksimile seines Anstellungsvertrags. Bachs Musik ist in Leipzig ständig präsent, am eindrucksvollsten in der Thomaskirche, wenn die neue „Bachorgel“ erklingt.
Seit dem Jahr 2000 (Bachs 250. Todestag) ist das zehntägige Bachfest Leipzig zum internationalen Ereignis geworden. Zu den 70 Veranstaltungen vom 23. Mai bis 1. Juni 2003 kamen 42 000 Besucher. Die Highlights: Ein animierender Spaß war die deutsche Erstaufführung der zwischenzeitlich verschollenen Barockoper „L’ Empio Punico“ von Alessandro Melani aus dem Jahr 1669 – eine Geschichte um Irrungen und Wirrungen der Liebe und gottlosen Frevel. Wie ein fröhlicher Faun ließ der französische Stardirigent Christophe Rousset „alle Puppen tanzen“.
Zu einem anrührenden Höhepunkt wurde Bachs Johannes-Passion BWV 245 in der selten gespielten Fassung von 1724. Gotthold Schwarz leitete für den erkrankten Thomaskantor Georg Christoph Biller (nicht nur) diese Aufführung und trieb den hervorragend singenden Thomanerchor bei den Volksszenen zu atemberaubender Dramatik. Einen großartigen Schlusspunkt setzten „Altmeister“ Philippe Herreweghe und sein Collegium Vocale Gent mit Bachs h-Moll-Messe. Unter seinen Händen ist die historische Aufführungspraxis nicht blutleer, sondern füllt sich mit beinahe überirdischer Kraft.
Nach solchen außerordentlichen Erlebnissen ist die Messlatte für das nächste Bachfest Leipzig sehr hoch. „Bach und die Romantik“ lautet das Motto vom 14. bis 23. Mai 2004, und wieder wird die ganze Stadt vor Musik vibrieren. Ursula Wiegand

Informationen zum Bachfest Leipzig 2004: Neben Werken von Bach nehmen Kompositionen von Felix Mendelssohn-Bartholdy einen breiten Raum ein. Leipzig dankt ihm damit für die von ihm initiierte Bach-Renaissance. Die ganz anders geartete Bachrezeption des 19. Jahrhunderts zieht sich als roter Faden durch die Konzerte. Auf dem Programm stehen auch Schubert und Brahms. Zu den eingeladenen Solisten gehören das Concerto Köln unter David Stern, die Gächinger Kantorei unter Helmuth Rilling, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, dirigiert von Pavo Jäärvi, die Akademie für Alte Musik Berlin unter Daniel Reuss und das Drottningholm Barock-Ensemble, geleitet von Eric Ericson. Ausführlicher Veranstaltungsprospekt ab Oktober, Kartenbestellungen ab 15. November beim Bach-Archiv Leipzig, Thomaskirchhof 16, 04109 Leipzig. Telefon: 03 41/91 37-3 33, Fax: 91 37-3 35, E-Mail: bachfest.info @bach-leipzig.de, Internet: www. bach-leipzig.de. Das Bachfest Leipzig 2005 findet vom 29. April bis
8. Mai statt.
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