ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Praxisgründungen: Teurer Start in die Selbstständigkeit

VARIA: Wirtschaft

Praxisgründungen: Teurer Start in die Selbstständigkeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2320 / B-1933

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank hat das Investitionsverhalten von Ärzten bei der Praxisgründung in den Jahren 2001/2002 ausgewertet.

Seit In-Kraft-Treten des „Gesundheitsstrukturgesetzes“ im Jahr 1993 sind Praxisneugründungen für Ärzte nur noch in Planungsbereichen möglich, die nicht wegen „Überversorgung“ gesperrt sind. Ärzten, die sich niederlassen wollen, bleibt deshalb meist nur die Möglichkeit, in eine bestehende Praxis einzutreten oder diese zu übernehmen. Eine Analyse von rund 2 500 in den Jahren 2001/2002 von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apo-Bank) durchgeführten Finanzierungen von Praxisgründungen bestätigt dies: In den alten Ländern entfielen in diesem Zeitraum nur 17 Prozent aller Finanzierungen auf Praxisneugründungen; in den neuen Ländern waren es immerhin 21,4 Prozent.
Von den in die Auswertung einbezogenen Analysebogen entfielen 61,7 Prozent auf Einzelpraxisneugründungen oder -übernahmen, 30,9 Prozent der Finanzierungen bezogen sich auf Gründungen von Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften oder Praxisbeitritten und 7,4 Prozent wurden für sonstige Gründungsformen durchgeführt. Die gemeinsame Auswertung der Apo-Bank und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung über „Das Investitionsverhalten von Ärztinnen und Ärzten“* konzentriert sich auf die Finanzierung von Einzelpraxen.
Eine Einzelpraxisneugründung ist deutlich preiswerter als die Übernahme einer Einzelpraxis. Bei Neugründung einer Einzelpraxis betrug das durchschnittliche Finanzierungsvolumen in den Jahren 2001/2002 im Westen 166 711 Euro. Bei Übernahme einer Einzelpraxis wurden durchschnittlich 218 506 Euro bezahlt. In Ostdeutschland ist der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Finanzierungsvolumina nicht so groß, wobei auch hier die Einzelpraxisneugründung mit 117 468 Euro im Durchschnitt etwas preiswerter ist als die Einzelpraxisübernahme mit 130 024 Euro. Bei der Übernahme einer Praxis zahlt der Arzt nicht nur einen Substanzwert für die übernommenen Geräte und die Ausstattung, sondern auch einen ideellen Praxiswert, den so genannten „Goodwill“. Dieser wird frei ausgehandelt.
Auffallend ist die Entwicklung der Übernahmeentgelte in Westdeutschland seit 1989/90. Der Substanzwert bei Praxisübernahme stieg moderat von 35 734 Euro in den Jahren 1989/90 auf 39 208 Euro in den Jahren 2001/2002. Dies entspricht einer Steigerung um 9,7 Prozent. Der immaterielle Praxiswert dagegen verdoppelte sich nahezu im gleichen Zeitraum von 45 700 Euro auf 88 739 Euro (+94,2 Prozent). Dabei ist der durchschnittlich gezahlte Substanzwert bei Praxisübernahmen in Westdeutschland in den letzten sechs Jahren sogar rückläufig (–15,5 Prozent im Vergleich zu 1995/1996), wohingegen der immaterielle Praxiswert immer schneller ansteigt (siehe Grafik). In den Jahren 2001/2002 zahlten Psychotherapeuten/Psychiater mit durchschnittlich 42 381 Euro am wenigsten und Orthopäden mit 132 514 Euro am meisten für den „Goodwill“ einer Praxis (siehe Tabelle).
Von den 166 711 Euro, die eine Praxisneugründung im Westen durchschnittlich kostete (im Osten: 117 468 Euro), entfielen 59 Prozent (69,1 Prozent) auf die Investitionen für die Praxisausstattung und die medizinischen Geräte. 25,5 Prozent (21,4 Prozent) wurden für den Betriebsmittelkredit benötigt, wobei es sich um den im Durchschnitt eingeräumten – und nicht den letztlich in Anspruch genommenen – Betrag handelt. Zwölf Prozent (4,5 Prozent) mussten für die Finanzierung von Bau- und Umbaumaßnahmen aufgebracht werden. 3,5 Prozent (fünf Prozent) entfielen durchschnittlich auf die anteilige Finanzierung des PKW sowie sonstige Gründungskosten.
Bei der Praxisübernahme wurden durchschnittlich 218 506 Euro (im Osten: 130 024 Euro) zur Finanzierung aufgewendet. Davon entfielen 56,7 Prozent (50,4 Prozent) auf das Übernahmeentgelt. Für die Neuanschaffung medizinischer Geräte und Ausstattung bei Praxisübernahme wurden 16,4 Prozent (23,1 Prozent) aufgewendet. Auf den Betriebsmittelkredit entfielen 19,6 Prozent (20,2 Prozent) und auf die Finanzierung von Bau- und Umbaumaßnahmen 4,2 Prozent (2,9 Prozent). Jens Flintrop
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